Keine Ahnung, wie oft Calexico schon in DD gespielt haben, am 22.10.08 war ich das erste Mal auf einem Konzert von ihnen.
Der Alte Schlachthof war bestens gefüllt, was die Vorband Garda aus Dresden anscheinend ein bisschen nervös machte. Garda hatte ich schon ein oder zwei Mal gehört, sie beherrschen ihr Handwerk, sind für meine Begriffe aber zu nah am Vorbild Sophia, wenn Wortgruppen, die 100% identisch sind, auch noch im gleichen Stil vorgetragen werden (Swept back). Ein wenig mehr Emanzipation von den musikalischen Einflüssen täte sicherlich gut. Live sind Garda trotzdem immer ein Garant für gute Musik, egal, ob sie nun zu zweit oder zu sechst da oben sitzen. Dass sie mit ihren Lieder absolut mitgehen, merkt man am exzessiven Schlagzeugspiel und daran, dass sich Sänger Kai Lehmann erst über seine Gitarre beugt, um dort im weiteren Verlauf dann fast zusammenzubrechen. Von Garda werden wir ziemlich sicher noch einiges hören.
Anschließend betrat Calexico unter viel Jubel die Bühne, treues Publikum haben sie hier.
Im Hintergrund konnte man eine löchrige Leinwand bewundern, auf der während des gesamten Konzertes Animationen liefen, die den Sound von Calexico untermalten. Und wie klingen die nun eigentlich? Nun, Americana, Rock, Jazz, lateinamerikanische Rhythmen werden genreübergreifend gemischt, so dass am Ende „desert noir“ herauskommt, was sofort Bilder im Kopf entstehen lässt, jedenfalls in meinem. In meinem Kopfkino wird man ganz schnell zum Hauptdarsteller eines Road Trips, der auf staubigtrockenen Straßen, gesäumt von Kakteen und wüstenartigen Landschaften, entlangführt. Einen Tortilla in der Hand, den Wind im Haar düst man vorbei an Klapperschlangen und Skorpionen auf der Suche nach der nächsten Bar (Durst!), wo in bester Spaghettiwestern-Manier beim Betreten des Lokals Türen quietschen, Gespräche verstummen und dunkle Gestalten mit Fluppe im Mundwinkel von ihren Hockern gleiten, während draußen die Sonne brennt. So jedenfalls sah mein klischeebeladenes Drehbuch aus :-)
Joey Burns (Leadsänger) streut immer wieder Kommentare über die Dresdner Neustadt und Altstadt ein, dankt dem Sweetwater Recordstore für die freundliche Nachmittagsgestaltung und zeigt damit, dass Calexico als Band offensichtlich so erfahren und routiniert agiert, dass Improvisation in keinem Fall Chaos bedeutet.
Der Trip nach Mittel- und Südamerika wird unterstrichen von Liedern wie "Victor Jara's Hands" (Victor Jara = chilenischer Musiker, ermordet im Pinochet-Regime, der für Mut und Widerstand verehrt wird) und „House of Valparaiso“, Trompetensoli schmettern durch den Raum, frisch erworbene Spanischkenntnisse werden bemüht.. die Reise geht weiter, irgendwas ist immer noch hinterm Horizont.
Hits wie “All Systems Red” und “Crystal Frontier” werden begeistert beklatscht, Calexico bedanken sich immer wieder bei der “amazing audience”.
Das Konzert besteht zu zwei Drittel aus Liedern vom aktuellen Album “Carried to Dust” und fühlt sich tatsächlich an wie ein wunderschöner Kurztrip nach Lateinamerika. Leider ist die Akustik im Alten Schlachthof mal wieder grottig, aber so wie Sombreros bei Weißen immer albern aussehen, ist vielleicht auch Calexico-Musik eher was für draußen – oder eben Road Trips.
Inspiracion
Yo canto de mi corazon
Y tu mi amigo me inspiras mis pasos
Me voy por el mundo conociendo varia gente
Pero nunca hallé una persona como tu
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