Freitag, 29. Februar 2008

29.02.2008

w-lan

Uebersetzung: Warten - Lange Auf Nichts.

Ich bitte um ein wenig Geduld. Weitere (seeehr umfangreiche) Eintraege folgen bald, aber ich habe keine Lust mit dem usb-stick zu hantieren, wenn Fotos & Texte auf dem eigenen Rechner dem Speicherplatz das Fuerchten lehren. Morgen fahre ich weiter Richtung Sueden und verzweifel versuche mich dort an der Internetverbindung. Drueckt die Daumen - und mir mal wieder ein paar Zeilen in die Tasten. Mein Posteingang verwaist.. vielleicht weiss dies das Internet ja und denkt sich "ach, wenn diese Verbindungen abbrechen, brauche ich auch keine aufbauen". Es gibt die unglaublichsten Zusammenhaenge :)

Freitag, 22. Februar 2008

22.02.2008

Kleine Randnotiz

Ich dreh hier gerade durch... in meinem Kopf tummeln sich die lustigsten Beschreibungen, auf meiner Festplatte Unmengen Fotos, aber ich kann beides nicht hier reinstellen, denn das Erste scheitert am Zeitmangel, das Zweite, weil die Internetverbindung hier ständig zusammenbricht. Da kann man wahnsinnig drüber werden!!! Am Wochenende werde ich Richtung Süden aufbrechen, noch nicht wirklich Patagonien, aber zumindest näher ran. Ich vermute, dass es sich erst Mitte nächster Woche lohnt, hier wieder einen Blick reinzuwerfen. Bis dahin müssen ein paar Grüße reichen. Grüße, Grüße, Grüße...

(die Leitung steht durchschnittlich eine Minute, es bleibt also keine Zeit zum Korrekturlesen, jjzt50lshadfiogae7opn,xgsgjjderhnma :))

Montag, 18. Februar 2008

05.02.-10.02.2008

Santiago

Fragt mich bitte nicht, was ich in den paar Tagen in der Stadt gemacht habe. Ich konnte es auch nur anhand der sehr wenigen Fotos in Ansätzen nachvollziehen, der Rest ist nur smogvernebelte Erinnerung. Im Kampf um den Titel meiner Lieblingsstadt ist Santiago jetzt schon ganz weit abgeschlagen, sozusagen kaum noch zu sehen, versinkt soeben im Smog ...

Ich weiß, ich wollte was über die Schuhputzer schreiben, ich weiß nur leider nicht mehr was. Aber es war bestimmt unglaublich sozialkritisch mit Querverweisen auf Globalisierung, Menschenwürde und Schuhindustrie, also China.

Na gut, schreibe ich also doch ein paar Zeilen über Santiago, bevor ich alles komplett vergesse. Es wird sich wahrscheinlich ziemlich zusammenhangslos lesen, aber es ist spät, ich müsste eigentlich Spanisch lernen und prokrastiniere nur sinnlos, indem ich blogge. Ich habe also keine Zeit, mir Geschichten auszudenken. Naja, zumindest nicht offiziell. :)

Hab ich schon erwähnt, dass ich es großartig finde, dass man in Chile keinen Adapter braucht? Nein, hab ich nicht? Na dann wisst ihr es jetzt. Ich find das toll. Das ist nämlich unglaublich praktisch. Endlich wird einem die Entscheidung, ob man nun Handy, Kameraakku oder Laptop lädt, abgenommen.

Ein Euro sind circa 700 Peso. In meinem Geldbeutel (ein Versuch, das Wort Portemonnaie aus Unwissenheit über die korrekte Schreibweise zu umgehen) sind momentan 70000 Peso. Ich wünschte, es wären Euro.

Braucht jemand eine Antenne? Ich habe einen Stand entdeckt, an dem es nur Antennen gibt. In ganz vielen Ausführungen. Das war gleich in der Nähe von dem Stand mit Badeschwämmen und einzelnen Schnürsenkeln und dem Uno-Kartenspielverkäufer. Kaputte Glühbirnen & Lampen könnte ich auch besorgen. Die gab es in einem Laden, dort gab es nur defekte Dinge. Dinge, die bei uns kein Schrottplatz mehr annehmen würde. Kann man aber bestimmt noch was draus machen ... zum Beispiel Stromleitungen für Valparaiso, aber das ist ein anderes Thema, noch sind wir mit dem Blogbeitrag in Santiago.

Der Straßenverkehr bringt mich noch mal um. Aber nicht, weil einen die alten Busse in einer Rußwolke zurücklassen, die neuen Busse nur Millimeter entfernt an einem vorbeiheizen, oder Autofahrer beim Abbiegen oder an Fußgängerüberwegen nicht anhalten – das tun sie nämlich geradezu vorbildlich – sondern weil in Chile Rechtsverkehr ist. Und ich war doch jetzt sechs Monate in Ländern mit Linksverkehr unterwegs...

In Chile lebt die seltene Spezies der Terrortauben. Diese Art zeichnet sich dadurch aus, dass sie nur Millimeter an einem vorbeiflattert, mit Tempo 80 oder so, während gleichzeitig einer der neuen Busse an dir vorbeiprescht. Ich denke ja, Bus und Taube liefern sich Rennen. Sieger unbekannt, so schnell kann ich nicht gucken.

Ich hasse Buchläden. Buchläden mit Angeboten, Buchläden mit genau den Büchern in der Auslage, die ich schon lange mal lesen wollte, Buchläden mit Café, Buchläden mit Musikabteilung, Buchläden mit Rezensionen, Buchläden, die ihre Verkaufsstrategie nicht an der Bestsellerliste ausrichten. Ganz besonders aber hasse ich Buchläden mit fremdsprachigen Büchern, weil ich an denen vorbeigehen muss, trotzdem in die Fenster starre, versuche, die Titel zu übersetzen und irgendwann nicht widerstehen kann, den Laden entere und mit einem Wörterbuch wieder rauskomme. So geschehen in Santiago. Naja, Hassen ist vielleicht etwas hart ausgedrückt. Setzen wir stattdessen doch einfach das Antonym ein.

nicht besonders beeindruckende Bilder vom Zentrum Santiagos:









Daaaaaa ... irgendwo ... die Anden!



Präsidentenpalast



Lieblingskirche mit Pepsi-Laden

Stencils gab es viele in der Stadt, die Mengenangabe "viel" relativierte sich, als ich in Valparaiso ankam. Aber dazu später mehr. Erstmal ein paar wenige aus Santiago:

















So, damit hätte ich erfolgreich alle Stationen bis zum aktuellen Aufenthaltsort aufgearbeitet. Was für eine Erleichterung. Die Zusammenfassung einer sehr ereignisreichen letzten Woche in Valparaiso folgt in den nächsten Tagen.
Guten Morgen, Guten Nacht, wie auch immer .. schönen Wochenstart allerseits!

28.01.-01.02.2008

„Hä, du bleibst nur vier Tage in Neuseeland?“
oder „Von der plötzlichen Abwesenheit der Kakerlaken“

Naja, eigentlich waren es nur drei komplette Tage, aber das musste ich dem schwäbischen Fragezeichen, mit dem ich in Wellington das Zimmer teilte, ja nicht auf die Nase binden. Aber von vorn ...
Ich eilte nach dem Bridge Climb also zum Flughafen, alles lief wie geschmiert - bis ich am Check-In stand. Die übermotivierte Virgin Blue-Angestellte fragte mich nämlich, was ich in Neuseeland will. Wie? Die Frage verstehe ich nicht. Nach meinen offenbar nicht sehr überzeugenden Erklärungen wollte sie mein Weiterflugticket nach Chile sehen. Ha und da war es - das Problem, das es in den nächsten Tagen dringend zu lösen galt. Meine Tickets waren nämlich nicht mehr leserlich. Offenbar nutzt man bei der Reisewelle Zaubertintenstrahldrucker - keine Daten mehr vorhanden, nix, nada, niente, nicht mal mit zusammengekniffenen Augen und auch nicht gegen das Licht gehalten. Aber wer ahnt denn auch, dass die auf dem Flughafen in Australien das Ticket sehen wollen, mit dem man aus Neuseeland wieder verschwindet?! Das Fräulein musterte mich also skeptisch, doch als Backpacker ist man überall suspekt und so ertrug ich dieses investigative Szenario mit betont unbekümmertem Blick und antwortete auf die Fragen, wie lange ich wo war, wie lange ich wo bleiben möchte und was ich denn dort mache wahrheitsgemäß, nur bei der Frage „Und in Südamerika?“ musste ich passen. Mensch, das weiß ich doch selber nicht. Außerdem hatte ich dieser Umfrage auch nicht zugestimmt und die Zeit drängte, also ließ sie mich passieren. Zunächst musste ich nach Brisbane – ja, Brisbane, die Stadt, die n ö r d l i c h von Sydney liegt und entsprechend weiter von Neuseeland entfernt ist.



Kind erst mehrfach drehen?



Und dann aufpusten?

Die Besatzung im Flugzeug bewies Humor und gab bei der Landung dramaturgisch bestens aufbereitet Folgendes durch: „Welcome to Brisbane. The temperature outside is 10 (entsetztes Schweigen) or 40 degrees (fragende Blicke), usually something in between (grins). Today is 41 degrees. So its a special day. A very warm welcome to Brisbane.“ Ich machte mich auf dem kürzesten Weg zum Check-In, denn dort sollte ich mich noch mal melden, während mein Gepäck auf direktem Wege nach Neuseeland durchgereicht wurde. Das fand ich ja wiederum alles etwas suspekt – und die Dame am Brisbaner Check-In auch. Nach der Frage, was ich denn an ihrem Arbeitsplatz suche und meinem „Och, nur ma kucken, was du so machst. Is viel los heute?“, löste ich mit meinen Nicht-Tickets erstmal Teamalarm aus, drei Angestellte suchten nach Hinweisen und Daten, fanden aber auch nicht viel mehr als ich ... hätte mich aber auch gewundert. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als mir für die Einreise in Neuseeland viel Erfolg zu wünschen. Angesichts der Tatsache, dass ich dort beim ersten Eintreffen im November über eine Stunde gebraucht hatte, ein wirklich netter Wunsch. Bei Ankunft in Wellington war es bereits nach Mitternacht und die Kontrolleure offenbar erschöpft, denn ich war innerhalb von zwei Minuten durch die Passkontrolle, indem ich den Officer mit der Aussage, dass ich ins Qantas-Office muss & auch schon die Adresse weiß (eine dreiste Lüge) zufrieden stellte und machte mich samt Gepäck, was trotz all der Verwirrung tatsächlich mit mir ankam, auf den Weg ins Hostel, wo ich auf das bereits erwähnte schwäbische Fragezeichen traf, dass gegen zwei Uhr morgens noch nicht schlafen konnte und vom Socializing im Hostel im Gegensatz zu mir offenbar noch nicht genug hat. Puh, ganz schön langer Text für einen halben Tag, den man vor allem mit Fliegen zubringt :) Die nächsten Tage in NZ sind schnell erzählt, ich fand einen Schnäppchenflug von Wellington nach Auckland für 27 Euro,



Wellington





Mt. Egmont/Taranaki



kurz vor Auckland

ging zum Qantas-Office, wo ich als vorbildlich vorbereitete Weltreisende die Kopien meiner Flugtickets vorlegte (was mir auf dem Flughafen zu anstrengend war, denn die schlummerten irgendwo ganz tief vergraben in meiner Kraxe), zog mit frisch ausgedruckten Tickets von dannen und hab ansonsten nicht viel gemacht. Zumindest nichts, an das ich mich jetzt noch erinnern könnte. Als man mich in Auckland in zwei Tagen drei Mal nach dem Weg fragte, wusste ich, es ist Zeit, zu gehen.



Grüße an den, der neulich Geburtstag hatte :) Naja, an den Rest natürlich auch

Hinter dem Kakerlaken-Satz in der Überschrift verbirgt sich im Übrigen keine Geschichte, das ist lediglich eine Feststellung.

Da mir die Frage, welches Land ich denn nun schöner finde, ständig gestellt wird, versuche ich mich im Folgenden an einer spontanen Beantwortung

Australien hat die cooleren/interessanteren Leute +1
Neuseeland die besseren Äpfel +1
Australien ist teurer – Punktabzug
Die Sonne in Neuseeland brennt intensiver – Punktabzug
Dafür ist die Hitze dort meist erträglicher +1
Australien bietet mit Sydney und Melbourne zwei wirklich schöne Städte +2
Neuseeland hat Wellington +1
Australien bietet kulturell (Musik/Konzerte/Museen) echte Highlights +1
Den Neuseeländern gelingt die Integration der Ursprungskultur +1
Den Australiern gelingt das nicht – Punktabzug
In Neuseeland sind die Menschen einen Tick freundlicher +1
Floskeln, die man braucht, um durch die Länder zu kommen
Australien: cheers, no worries
Neuseeland: yeppyepp (Zustimmung), catch ya later, cheers, bro
- läuft außer Wertung -
Australien hat eine Website extra für Öffentliche Toiletten (www.toiletmap.gov.au, nie genutzt, aber lustig) +1 für den Spaßfaktor
In Neuseeland gibt es zu viele Deutsche - Punktabzug
In Australien gibt es zu viele britische Backpacker – Punktabzug

Nirgendwo trägt man FlipFlops, weiße Kopfhörer oder Nike Runningshoe zum Businessanzug überzeugter als in Australien. (ohne Wertung)

Wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe, gewinnt Neuseeland also knapp vor Australien. Das heißt, das Fotofinish ist gar nicht nötig, dahingehend hätte Neuseeland nämlich für die schönere Landschaft einen, vielleicht auch zwei Punkt(e) bekommen. Das ist natürlich alles höchstsubjektiv und überschattet davon, dass ich auch nach Monaten noch immer beide Länder nicht wirklich kenne, nur Tourist war und vieles nicht gesehen habe.

Ach übrigens: wie schnell verging denn bitteschön ein halbes Jahr?! Ich habe das Bergfest in Melbourne fast verpasst, nicht gefeiert und ich versuche immer noch Resümee zu ziehen. Ein verdammt schwieriges Unterfangen. Ich könnte jetzt aufschreiben, wie oft ich bislang geflogen bin (16 Mal), wie viele Bücher ich gelesen habe (ungefähr 16, ich weiß nicht mehr so genau), wie viele Bücher ich mir gekauft habe (ungefähr 16, ich weiß nicht mehr so genau :)), wie viele Länder ich bereiste: 4 (inklusive Lesotho, exklusive Chile, am Ende wird sich diese Zahl mindestens verdoppelt haben), ich könnte schreiben, dass ich 8x im Kino war, 137x bloggte (wehe, es beschwert sich nochmal jemand!). Die überraschenste Erkenntnis ist wohl, dass ich Dresden vermisse. Und ein paar Menschen. Alles andere ist zu privat für einen Blog. Und deswegen lautet mein Fazit: Das Ziel ist immer noch unklar, aber der Weg dahin macht Spaß.

Sonntag, 10. Februar 2008

24.01.-28.01.2008

Über eine Brücke musst du gehen (frei nach Karat)

Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön ... Reisen auf dem Schienenweg in Australien bietet ein komplettes Unterhaltungsprogramm. Nicht nur, dass der Zugführer detaillierte Ansagen über Baumaßnahmen kundtut, sekundengenaue Verspätungsangaben macht, Aufholtaktiken preisgibt, besondere Begrüßungen für manche Passagiere auf Lager hat, Aussteigende freundlich daran erinnert, dass an diesem Stopp eine besonders breite Lücke zwischen Bahnsteig und Trittbrett zu erwarten ist, nein, er mahnt auch, die Toilettentüren doch bitte von innen zu verschließen - ich weiß nicht, ob das eine List war, die Passagiere und sich selbst für die Nachtfahrt zwischen Melbourne und Sydney wach zu halten, aber ich weiß jetzt, dass die Redewendung „wie gerädert aufwachen“ ihre Berechtigung hat. Beim Grübeln darüber, was „wie man sich bettet, so liegt man“ eigentlich für eine bescheuerte Weisheit ist, bin ich allerdings zu keinem abschließenden Resultat gekommen. Die junge Asiatin hinter mir fragte mich pausenlos, ob ich ein Foto von ihr machen könnte, natürlich kam ich dem gern nach und bekam zum Dank ein Ei dafür angeboten. Ich lehnte ab, amüsiere mich aber immer noch darüber. Als es Nacht und der Zug voller wurde, breitete ich mich eiskalt auf dem freien Sitz neben mir aus, schockgefroren durch die Klimaanlage mit der Einstellung auf Südpol. Bibber. Der Schaffner fragte mich drei Mal, woher ich käme und wohin ich ginge und ob er da nicht mitkommen könnte – beim dritten Mal drapierte ich mein Ticket so, dass er es sofort lesen konnte, fortan ließ er mich in Ruhe und setzte auch niemanden neben mich. Ich wachte im richtigen Moment aus dem Halbschlaf auf, dann nämlich, als die Sonne im butterweichen Orange hinter Nebelfeldern, aus denen Eukalyptusbäume ragten, hervorlugte. Alle rieben sich die müden Augen, Faszination Sonne. Jedenfalls bot der Blick aus dem Fenster das Kontrastprogramm für den Anblick, der mir als Reflexion in der Scheibe begegnete. Dieser Nacht zolle ich nicht nur mit 66 Dollar Tribut, sondern auch mit bleibenden Rückenschäden, denn die totale Entfaltung aus meiner misslichen Lage wollte mir einfach nicht gelingen. Ja, auch 12 Stunden Zugfahrt wollen beschrieben werden :) In Sydney strapazierte ich diesmal nicht die Gastfreundschaft von Anja oder Teresa, sondern quartierte mich in einem Hostel ein, was sofort Sympathiepunkte abgriff, weil die Betten hier nicht so weich wie Quarktorte waren. Kurz darauf erhielt ich die Information, dass Annett auch nach Sydney kommt, um sich die Stadt anzugucken. Wir hatten also drei Tage, um uns die Highlights anzuschauen, ein Plan, den wir aufgrund des Australia Days mit zahlreichen anderen Touristen und Feierwütigen teilten.





Darling Harbour im Detail:













irgendwo in der Stadt:

















Datenmüll unfassbar, der Herr ist überall bekannt, der war sogar im Angebot auf dem Flug von Auckland nach Santiago *kopfschüttel

Oper:











Es gab jede Menge Veranstaltungen, im Darling Harbour zum Beispiel ein Feuerwerk, was Annett mit „Das ist wie vom Polenmarkt“ passend kommentierte.



Vielleicht standen wir auch blöd, aber der Bringer war es wirklich nicht. Vielleicht waren wir auch nur zu kaputt vom vielen Rumgelatsche. 18km in FlipFlops auf Asphalt kann ich jedenfalls niemandem empfehlen.
Für mich stand noch der Bridge Climb an, doch vorher hieß es, die Harbour Bridge von allen Seiten zu begutachten. Wir liefen und fuhren rüber & nüber, kletterten in einem Pfeiler zum Ausguck, schauten auch aus der Entfernung zu ihr und stellten mit Respekt fest: die ist ganz schön hoch und hat ganz schön viele Gitter, durch die man auf die Fahrspuren oder Wasser gucken kann. Auf dem Pylon Lookout rief ein Knirps bestürzt „There are people climbing up the Harbour Bridge, what are they doing there?“, ich dachte nur “DAS frage ich mich auch” und Annett meinte ein wenig ehrfürchtig, dass sie da nicht unbedingt drüber klettern müsse.











Doch später ...



... eröffnete sie mir freudestrahlend, dass sie es doch wagen will und das Schicksal nahm seinen Lauf. Wir buchten unsere Klettertour und verbrachten den Rest des Tages damit, uns an den Gedanken zu gewöhnen und abends selber Muscheln zuzubereiten. Nach mehrfachem Absichern, wann man denn nun geschlossene und wann offene Muscheln entsorgen sollte, wurden gute anderthalb Kilo der Meeresbewohner in stundenlanger Friemelei geputzt und anschließend zum Tode verurteilt. Die Rache ließ nicht lange auf sich warten – am Ende blieben uns aus der Menge der „schlüpfrigen Scheißerchen“ jeweils ungefähr fünf Exemplare, die ganz sicher als genießbar galten, der Rest wurde aufgrund der Unlust auf Lebensmittelvergiftung entsorgt. Ich beschloss, nie wieder Muscheln in den Menüplan aufzunehmen, jedenfalls nicht, wenn ich sie selbst zubereiten muss.





Wir überstanden trotz erheblicher Zweifel und kleiner hypochondrischer Anfälle die Nacht ohne Komplikationen und machten uns am Morgen auf den Weg, die Brücke zu erklimmen. Ein paar Stunden vorher hatte ich noch mit Schrecken feststellen müssen, dass mein Flug nach Neuseeland überraschende dreieinhalb Stunden eher geht als bislang angenommen und das Ding mit der Brücke und der Pünktlichkeit am Gate ein verdammt knappes Ding werden könnte. Um diese kleine Organisationspanne wieder auszugleichen, kaufte ich mir also schon das Ticket zum Flughafen und stellte meinen kompletten Krempel im Office vom Bridge Climb unter. Und dann ging’s los.



Die Tür öffnete sich und es stellte sich heraus: Annett und ich sind die Einzigen. Nicht nur die Mitarbeiter wunderten sich, sondern auch wir. Nach Promilletest, Ausfüllen von Fragebogen, dem Überwerfen der Teletubbi- Anzüge, der Frage, ob ich mein Melt!Bändchen anbehalten darf (ja, ich durfte :)) und Metalldetektor-Kontrolle empfing uns Brett, der Guide für unsere Tour. Ein lustiger Bursche, der uns durch die Instruktionen jagte, wodurch wir schon ein paar Gruppen überholten. Schnell war nämlich auch die Frage geklärt, wie viele Leute täglich auf diesem Weg über die Brücke laufen: 700 bis 800. Kein Wunder, dass mittlerweile gute anderthalb Millionen Menschen ein schickes Zertifikat in den Händen halten, was meinen Spartakiade-Urkunden von anno dazumal an Glanz und Gloria in nichts nachsteht. Brett mochte uns und wir mochten Brett, er fand unsere Witze lustig und wollte uns einen Wal im Hafenbecken organisieren. Das klappte dann leider doch nicht. Die anderen Touren, die uns von der anderen Brückenseite zuwinkten, deuteten unserem Guide an, dass sie neidisch sind, denn bei denen bestimmten acht bis zehn Teilnehmer das Tempo. Wir aber konnten uns auch einfach mal niederlassen, pausierten bei besten Wetter mit Blick auf Oper und CBD, quatschten über alles Mögliche und kletterten dann gemütlich weiter durch diese Konstruktion aus Treppen, Engpässen, Stolperfallen, doppelten Türen und spitzen Winkeln. Auf allen Wegen ist man durch flexible Gurte gesichert, die einem ein bißchen das Gefühl vermitteln, dass man Gassi geführt wird und unserem Guide mussten wir einmal durch weibliche Logik weiterhelfen, als er auf dem Scheitelpunkt nicht wusste, wie er um eine Ecke kommen soll - so ähnlich wie bei diesen Geduldsspielen, die aus ineinander verhakten Metallteilen bestehen. Brett musste auftragsmäßig ständig Fotos machen, die wir am Ende nicht kauften, weil sie zu überteuerten Preisen auf billigem Papier in schlechter Qualität ausgedruckt werden. Leider ist es aus Sicherheitsgründen nämlich nicht erlaubt, die eigene Kamera mitzunehmen, so bleiben uns nur die Bilder im Kopf, das tolle Zertifikat und ein Gruppenfoto, auf dem logischerweise nur Annett und ich drauf sind, wodurch der privilegierte Status unserer Tour nun auch von der Mitarbeiterin an der Fototheke bestätigt wurde. Was ich am ersten Tag in Sydney vor vier Monaten geschenkt bekam, fand an meinem letzten Tag in der Stadt endlich seine Umsetzung. Das ist doch mal eine (halb)runde Sache. Vielen Dank an Alle, die sich an diesem Geschenk beteiligt haben, ich hoffe, ihr erwartet jetzt nicht, dass ich das Blaue Wunder nur noch über die Stahlträgerkonstruktion überquere. Und nein, auch die Feldschlösschenbrücke (Urheber dieser Schöpfung der Redaktion bekannt) werde ich, wenn überhaupt, nur auf herkömmlichen Wege passieren :)
Und dann musste ich schnell los ... zum Flughafen.