Dienstag, 28. Juli 2009

Zuhause 2

Auch zurück in der Heimat, spielten Polarkreis 18 in der Scheune ein exklusives Konzert – so exklusiv, dass die Karten dafür nur gewonnen werden konnten. Die Bewerberzahlen dürften hoch, höher, am höchsten gewesen sein, waren die Herren von PK18 doch gerade mit ihrem (zukünftigen) Hit „Allein, Allein“ auf allen Kanälen. Das ist schon doll, wenn die „Jungs von nebenan“ plötzlich auf MTV zu sehen sind, zumal MTV ja kaum noch Videos zeigt :-). Beim Konzert am 15.10.08 sollte nun das neue Album „The Colour of Snow“ zwei Tage vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin vorgestellt werden. Nach ungeduldigem mehrmaligen E-Mails checken, stand ich als Gewinner auf der Gästeliste. Glück gehabt. Im Laufe des Abends stellte sich heraus, dass auch jede Menge Redakteure da waren – ich bezweifle hiermit stark, dass die sich um die Karten bewerben mussten. Und damit sind wir schon bei den Schattenseiten des Ruhms. Natürlich braucht Erfolg auch eine gewisse Öffentlichkeitsarbeit und natürlich ist es toll, wenn nach jahrelanger Arbeit auch die Presse davon Wind bekommt, dass da gerade was passiert – aber wenn ein „Konzert für Freunde“ als Dankeschön an Dresden in einem kleinen Rahmen angekündigt wird, finde ich es ein wenig fragwürdig, miesepetrige Musikjournalisten (oder solche, die in dieser Funktion gesandt wurden) einzuladen, die während des Konzert gelangweilt an der Bar oder irgendwo am Rand lehnen.

Aber wenden wir unsere Aufmerksamkeit wieder dem Konzert zu.. Das begann mit viel Nebel, Lichteffekten und einem Intro, welches „Allein, Allein“ vermuten ließ, entwickelte sich dann aber zu „The Colour of Snow“, dass mich mit seinem „aaaahh aaahhh ahhaaahhhaa ahhhaa“ immer an John Farnham „You are the voice“ erinnert :-) Apropos voice: Felix’ Stimme ist nicht unbedingt treffsicher und kippt schon gern mal ins Unangenehme. Vielleicht sollte sie eher als Instrument, statt als Gesang definiert werden - auch ein Bass ist mal verstimmt, ein Schlagzeuger gerät aus dem Takt. Pünktlich mit dem ersten Lied wurden im Publikum natürlich auch wieder die neuesten Handymodelle und Digitalkameras den Umstehenden präsentiert. Ich frage mich, warum die sich nicht einfach die zahlreichen Konzertschnipsel auf youtube ankucken, in denen schon jede Menge verwackelte Bilder in mieser Soundqualität zu finden sind.

Polarkreis spielten ein paar Lieder vom neuen Album, mit dem ich mich nicht wirklich anfreunden kann, das hört sich so weg (oder ich tue es), jedenfalls küre ich das Debüt nach wie vor zur stärkeren Platte, weil darauf Lieder sind, die ich auch nach einigen Jahren noch nicht über habe. Das Publikum schien ebenfalls euphorischer auf die alten Songs zu reagieren.

„Allein, Allein“ wurde natürlich auch angestimmt, was mich zum wiederholten Male an eine Melodie erinnerte, deren Urheber mir partout nicht einfallen wollte. Mittlerweile weiß ich: Nick Straker Band - "A Walk In The Park".



Tja und wie würde ich das Konzert nun metaphorisch umschreiben? Vielleicht so: richtig herzerwärmend ist es am Polarkreis nicht mehr, aber Massentourismus hat bisher auch nirgendwo gut getan. Der Indi(e)vidualreisende jedenfalls buht die Jungs von PK18 mittlerweile aus, weil sie massig Konzerte spielen, nen Nummer 1 Hit hatten und vielleicht ein wenig omnipräsent waren – wer aber ein paar Jahre beobachtet hat, dass PK18 nur mit viel Arbeit und Durchhaltevermögen dort angekommen sind, wirft ihnen den Erfolg nicht vor. Wenn mir die neue Platte nicht gefällt, gehe ich halt einfach auf kein weiteres Konzert. Ich fahre doch auch nicht nach Mallorca zum Ballermann, um mich dann aufzuregen, dass es nur Sangria und Bratwurst gibt und mir die spanische Kultur fehlt.

Ein wenig Hoffnung besteht dennoch: Felix sagte „Wer es noch nicht gemerkt hat, wir machen jetzt Pop“ und klang dabei fast ein wenig zynisch, aber sie singen auch: „Wir kommen nirgendwo an“. Vielleicht sollte man den Jungs einfach genug Zeit geben, um mit dem ganzen Rummel, der da relativ plötzlich auf sie einstürmte, umzugehen. Paris und New York sind auch völlig überrannte Städte, die sich trotzdem Charme und unentdeckte Ecken bewahrt haben.

Schon lustig, dass ich über ein Konzert, was mich nicht mal unbedingt vom Hocker (oder besser: dem leeren Bierkasten, der mir als Hitsche diente) riss, so viele Worte verliere.

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