Dienstag, 28. Juli 2009

Erinner dich..

..an Zeiten, in denen Klee noch richtig Spaß gemacht haben. Zeiten, in denen man textsicher auf Konzerten mitsang, in die Gegend grinste, als hätte man die Sonne gefrühstückt, zu jedem Lied ein wenig tänzelte und noch mehr schunkelte. Das war Pop, schwelgerischer, kitschiger, amüsanter, emotionaler, tieftrauriger, kurz: vielfältiger Pop. Das war große Sehnsucht, große Liebe, großer Schmerz und ein paar im Alltag anwendbare Kampfparolen. Klee machten am 05.11.08 im rappelvollen Beatpol immer noch Pop, aber sie reißen mich nicht mehr mit. Lieder wie „Tausendfach“, „Zwei Fragen“, „Für Alle, die“, "Die Stadt" waren & sind aber immer noch Garanten dafür, sich verdammt lebendig zu fühlen.





(miese Qualität)

Kompromisslos pressen Klee alle Gefühlsregungen in ihre Lieder und kommen dabei nicht nur (alt)klug, sondern auch authentisch rüber. Wirklich? Das mit dem „echt sein“ stelle ich mittlerweile in Frage. Suzie Kerstgens, Frontfrau von Klee, kokettiert wie immer, spielt mit ihren Attributen als Schmollmundblondine, quasselt pausenlos und provoziert mit Exzentrik, die keine mehr ist. Bei jedem (!) Konzert kippt sie unter dem Johlen der Zuschauer eine Flasche Bier auf Ex in den Rachen (die Pflanze Klee gehört übrigens zur Gattung der HÜLSENfrüchtler ;-)), bei jedem Konzert regnet es Konfetti, bei jedem Konzert wird „Lichtstrahl“ allein mit zwei Strahlern zur Lightshow, sie schimpft und flirtet bei jedem Konzert mit ihren Bandkollegen.. und dieses Szenario wird immer langweiliger.

Suzie fordert einen heraus, sich zwischen Fremdschämen und Sympathiebekundungen zu entscheiden und vollführt dabei eine einzige große Inszenierung, in der das Gequatsche vom Tollsein manchmal tierisch nervt. Und dann haut sie eben doch wieder verdammt wahre Sätze raus, die in ihrer zunächst vordergründigen Schlichtheit das ganze Schlamassel fotorealistisch abbilden:
„Du stehst in der Tür und lachst. Ich frag' dich: An was hast du grad gedacht? Doch du sagst nichts, und ich rede von uns und unseren Problemen. Ich prüf' deinen Blick, seh' in dein Gesicht und merke, du langweilst dich. Ich leg leg' meinen Finger in die offenen Wunden. Und ich weiss, ich sollte es lassen. Denn im Grunde ist jeder Streit mit dir gleich. Da sind wir nicht sehr einfallsreich.“ (Offene Wunden)
So, und nun sage mir noch einer, dass man dabei keine Solidarität empfindet ;-).

Aber warum nervt das alles plötzlich? Weder inhaltlich, noch musikalisch hat sich bei Klee seit 2004 irgendwas geändert.. vielleicht ist es die Tatsache, dass man nach all den Jahren gemeinsamem Suchen und Leiden und Lachen und Tanzen keine Lust mehr auf ein ständiges Wechselbad der Gefühle hat? Weil man auch mal irgendwo ankommen will – wenigstens bei sich selbst und Klee einem da kaum mehr Hoffnung machen:
„Alle Ziele, die ich hatte, verloren sich auf Wegen. Und alle Antworten führten mich zu immer neuen Fragen. Und wie die Stille klingt, kann ich immer noch nicht sagen. Die Welt da draußen spiegelt mich, aber ich seh’ mich selber nicht. Wie weit muss ich gehen, um hinter meinen Horizont zu sehen“. (vom aktuellen Album "Berge versetzen")

Ansonsten: Die Vorband Detta Walker fand ich schrecklich. Sorry, aber is so.
Schöne Bilder vom Konzert gibt’s hier.
Ganz schlimm: die Radio Energy – Promoteams, die im Beatpol Fotos von den Zuschauern machen wollten. Bitte, bitte nie wieder so’n Scheiß dort!
Auch schlimm: Suzie sang offensichtlich nicht live. So wild, wie die über die Bühne stolperte und ihre Haare ums Köpfchen schleuderte, woraufhin sie sich ums Mikro wickelten.. und trotzdem war jeder Ton exakt wie auf CD. Gloobste dor selber ni!

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