Oder
Unpässlichkeiten
Sorry, wieder ziemlich viel Text, obwohl eigentlich nichts passiert ist (was für ne blöde Idee, das jetzt schon zuzugeben)
Zwei Tage La Serena sind mehr als genug, die Entscheidung wie ich denn nun nach Argentinien komme, nahm mir die örtliche Busgesellschaft ab und so ging es mitten in der Nacht nach Santiago, wo ich am Morgen in den Bus nach Mendoza/Argentinien wechseln sollte. Gesagt, getan und ein bisschen zu früh gefreut. Völlig zerknautscht stand ich 7 Uhr in Santiago aufm Busbahnhof, um dort zu erfahren, dass das mit dem Wegfahren eine verfahrene Sache ist, sozusagen nix fährt, da der Pass aufgrund von Schnee und Eis geschlossen ist. Aha, na da ... und nu? Simple: Ticket zurückgeben, andere Backpacker mit dem gleichen Schicksal einsammeln und im nächsten Hostel auf freie Betten und Wetterbesserung hoffen. Der Weg ins Hostel war lustig, im morgendlichen Berufsverkehr ist es im Allgemeinen schon schwierig, in der proppevollen Metro einen Stehplatz zu ergattern, nahezu unmöglich wird es, wenn man noch einen Rucksack in Menschengröße aufgeschnallt hat. Nachdem zwei U-Bahnen aus purer Rücksichtnahme auf geordnete Anzüge ohne uns fuhren, drängelten wir uns gnadenlos in die Menge. Dass man damit nicht zur Völkerverständigung beiträgt, war an den Gesichtern abzulesen, aber schon bei meinem ersten Besuch Anfang Februar (Anfang Februar? - Blick aufs Datum - ungläubiger Blick) in der Stadt stellte ich fest, dass die viel gescholtene Griesgrämigkeit der Deutschen im Vergleich mit Santiagos Einwohnern eine geradezu herzerwärmende Offenheit in sich birgt. Wie war das? - Jeder hat eine zweite Chance verdient. Aber ach, Santiago und ich tun uns schwer miteinander. Es ist und bleibt eine Großstadt, für die ich mich nicht übermäßig begeistern kann. Immerhin sah man diesmal die Anden, jedenfalls mit ein wenig Phantasie.

Beim Warten auf die Metro fiel mir übrigens auf, dass diese hier auf Gummireifen unterwegs ist. Ich habe Physik zwar abgewählt, nehme Formeln als gegeben hin, ohne sie zu kapieren und bin sicherlich auch so nicht unbedingt ein logisch denkender Mensch, aber Gummireifen auf Stahlgleisen und aller hundert Meter Bremsvorgänge ... ich weiß nicht, ich weiß nicht .. Naja, das eigentliche Ziel hieß noch immer Mendoza und es kostete einen halben Tag, den Verkaufsschalter des Busunternehmens zu finden (was ich im zweiten Untergeschoss der U-Bahn aufspürte, warum nur habe ich es dort nicht vermutet?). Frisch gewagt, ist halb gewonnen, auf ging’s. Der folgende Grenzübergang war der Nervigste, den ich je hatte, da können selbst investigative Neuseeländer, die die Ruhe weg haben, noch was lernen. Zunächst steht man klappernd vor Kälte ne geschlagene Stunde in 3000m Höhe, weil man für die (mindestens) fünf Busladungen immerhin einen chilenischen Beamten abgestellt hat. Die kurz dahinter postierten Argentinier, zwei an der Zahl, finden, sie hätten nun wirklich eine Pause verdient und schieben sich gelangweilt und mies gelaunt gegenseitig Verantwortung und Pässe zu. Das kann dauern. Verschmiert der Stempel endlich im Dokument, stellen sich die Grenzgänger brav nebeneinander, weil ein weiterer Beamter „Guck mal, ich kann ohne hinzugucken, meine Hände in Reisetaschen versenken“ spielen will. Nach gefühlten fünf Stunden darf der Bus weiter durch die Anden rollen – und dieses Panorama entschädigt voll und ganz.









Doch dann Mendoza. Keine Ahnung, warum alle so begeistert sind, man kann Raften, Kajaken, Weingüter besichtigen, Fallschirm springen und Party machen, nix Besonderes also, wie ich schon in den ersten Minuten feststelle. Die viel gepriesene schöne Innenstadt bei lässiger Gemütlichkeit suche ich auch vergebens.

mit der Bitte um Beachtung: das kleine niedliche Vorhängeschloss zur Sicherung links an der Stoßstange



typischer Anblick, Gitter vorm Fenster und Rollade runter, muss ich nicht verstehen, oder?
Das erste Hostel hat trotz

Hurtigroute: schnell weg hier

da hat wohl jemand Schleife binden geübt


Und dann ging mir ein Licht auf: Ist ein Ortswechsel eine Kapitulation? Egal, ich machte mich auf den Weg nach San Juan.
Schöne Pfingsten!
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, fliegst du am Donnertag nach Costa Rica. Ich wünsch dir viel Spaß beim schnöden, langweiligen, wahnsinnig biederen Strandurlaub. Der Neid ist mit dir. Obwohl die Temperaturen hier auch um 25°C liegen und es sich im Park auf einer Hängematte auch gut leben lässt. Übrigends: Ich habe noch 4 Tage zu arbeiten... dann ist Elternzeit...:-)
AntwortenLöschenBjörn