Donnerstag, 15. Mai 2008

05.05.-11.05.2008

In einem Land vor unserer Zeit

San Juan ist verglichen mit Mendoza eine deutliche Steigerung, aber nicht weniger merkwürdig. Bei der ersten Erkundungstour waren bei bestem Sommerwetter die Straßen wie ausgestorben. Ich machte mir schon ernsthaft Gedanken, ob ich irgendwelche Evakuierungsaufforderungen verpasst habe, bis mein Blick in ein kleines Restaurant wanderte, wo sich offenbar alle Einwohner San Juans stapelten und einen Miniatur-Fernseher anstarrten, in dem klitzekleine Menschen einem weißen Punkt hinterher jagten. Es spielten River Plate vs. Boca Juniors. Das erklärt natürlich alles und macht den Blick frei für die nicht vorhandenen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ich sah so viele Schuhläden wie noch nie zuvor in meinem Leben (höchstens vergleichbar mit Mannheim, wo ich vor ungefähr einem Jahrzehnt zwei erschöpfende Stunden erfolglos auf der Jagd nach weißen Stiefeln war – und das noch nicht mal für mich! ;)) Um eventuellen Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, integriert man hier sogar Cafes in Schuhläden. Es zeigte sich außerdem, dass Lila die Trendfarbe der Saison ist und Schaufenstergestalter eine echte Karriere vor sich haben könnten.







Man darf sich aber auch über die zweite Auffälligkeit San Juans wundern: jeder zweite Hauseingang (mindestens!) ließ verlauten, dass hier ein Mediziner praktiziert. In manchen Straßenzügen gab es weit mehr Ärzte als Bäume. Aber ich war natürlich nicht wegen dieser Attraktionen in der Stadt, sondern wegen den für argentinische Verhältnisse nahe gelegenen Nationalparks Ischigualasto und Talampaya. (Das habe ich jetzt CTRL + C/CTRL + V, das kann sich ja kein Mensch merken!). Die Touren in die Parks kosteten von San Juan aus aber nicht nur unglaublich viel Geld, sondern waren auch mit halbtägigen Busfahrten verbunden. Vom Busfahren hatte ich aber gerade echt die Nase voll. Also fuhr ich mit dem Bus :) ins noch näher gelegene San Agustin del Valle Fertil, von wo aus man dann wirklich entspannt in die Parks kam.



Fußballergebnisse checken



Der Argentinier und sein Mate-Tee - ein unzertrennliches Gespann



Dieses Kribbeln im Bauch, dass man niemals vergisst... so sah die Straße über endlose Kilometer aus - ein scharfes Foto unmöglich



Parken nur für Touristen

Naja, wenn nicht gerade der Minibus zusammenbricht, so wie am zweiten Tag. Das Bemerkenswerte daran: der Fahrer steigt wortlos aus, geht die Straße zurück, sucht das vermisste Teil, findet es nicht, fährt per Anhalter zurück und schickt einen Ersatzbus. Da stehste aber auch erstmal da, mit fragendem Blick, im Nichts der argentinischen Steppe. Aber gut. San Agustin ist so eine Art Siedlung und zwar die einzige in der Nähe der Parks, dennoch ist dort absolut NICHTS zu holen und man selbst eine Attraktion. Wie in der Werbung für ein neues Shampoo lehnten sich plötzlich sechs gerade noch im Kreis stehende Männer lässig nebeneinander an ein Geländer, zogen den Bauch ein und grüßten (pfeifend) wenn man vorbeiflanierteilt. Wenn frau wollte, könnte sie in Argentinien sicher ihr Ego aufpolieren, die Frau, die das gerade tippt, ist aber einfach nur entsetzlich genervt von dieser Dauerbeschallung „Hola Bonita, muy linda, beautiful girl blabla“ Am schlimmsten aber ist, dass die einem immer sofort mitteilen, dass sie einen lieben. Auch das noch! Dabei kennen die mich doch gar nicht! :) Eine Augenweide für mich waren dann die Nationalparks. Aber seht selbst...

Im Ischigualasto (CTRL + C/CTRL + V) findet man jede Menge Fossilien, schaufelte die ältesten Nachweise von Dinosauriern aus dem trockenen Boden und Gott Erosion schuf mit viel Geduld zahlreiche Skulpturen aus Stein.















Fragt mich bitte nicht, wie die entstanden sind. Ich habe es entweder nicht richtig erklärt bekommen, oder einfach nicht verstanden. Diese Steine sehen nicht nur aus wie kleine Kanonenkugeln, sondern haben sich auch irgendwie abgesprengt. Meine Theorie ist ja, dass das die Murmeln der Saurier sind. Sind Geologen anwesend? Kann mir das mal jemand nicht auf Spanisch erklären? Danke!





Sphinx



ganz schön hölzern so ein Kaktus







Wer sieht auch einen Broiler?





Huch, schnell weg!



Blick zurück

Im Talampaya NP (CTRL + C/CTRL + V) hingegen, gleich um die Ecke von Ischigualasto (CTRL + C/CTRL + V), sind die Flüsse mittlerweile ausgetrocknet, die über gaaaaaanz viiiiieeel Zeit unglaublich hohe Canyons in die Landschaft frästen. Und man findet jede Menge lustige Petroglyphen.





Parkhaus





Auf den ersten Blick nur ein Stein. Schauen wir uns das Ganze doch mal genauer an...





aufgeschreckter Vogel



Markierung der Wege, wo Hirten ihre Herden grasen ließen









mit der gegenüberliegenden Canyonseite hat diese Nische ein unglaubliches Echo erzeugt.











Tja und an Pfingsten habe ich dann einen Obstsalat gegessen. Toll, DAS ist ja nun mal wirklich interessant. Na nu warte’s mal ab. Der bestand nämlich aus Orangen und Äpfeln und ich hab mir ganz schrecklich Walnüsse dazu gewünscht und plötzlich so ein weihnachtliches Gefühl entwickelt und gedankenlos mein Geschirr zur Pyramide gestapelt und beim Abwaschen dann gelben Blättern beim Fallen zugeschaut und mir überlegt, dass in Deutschland mittlerweile die alljährlichen traditionellen Zweiminüter vorm Wetterbericht im Fernsehen gelaufen sein müssten, in denen spielende Kinder und Spaziergänger im Park das erste Eis des Jahres in die Kamera halten. Pure Energie, Sonne durch den Fernseher und für mich jedes Jahr wieder sowas wie die offizielle Bekanntgabe, dass es nun soweit ist. Frühling. Zeit, mal wieder viel zu spät die Sommerreifen aufzuziehen. Und so habe ich mir in ein paar Minuten die entsetzlich vermissten Jahreszeiten einfach herbeigedacht. Das war gar nicht mal so schwer. Raffiniert, was? Ich frage mich, ob der Flieder blüht.

Die Rückfahrt nach Santiago verlief diesmal nicht nur über den Pass, sondern auch mit dem Pass reibungslos und erstaunlich flott. Nach sechsmaliger Ein- u./o. Ausreise nach Argentinien muss ich sagen, dass diese Grenzer definitiv entspannter sind als die Chilenen, die sich ständig zeitraubende und unlogische Schikanen ausdenken.



Argentinien



Chile - diesmal ohne Schnee

3 Kommentare:

  1. Hey Andrea, seit Langem lese ich mal wieder in Deinem Blog und ich bin sofort wieder gefesselt:)Und der Flieder blüht, aber schon ne Weile.Kann garni glauben, dass das Jahr bald schon rum is und wir uns spätestens zum Melt-Festival sehen werden, oder?;)
    Bis bald und liebe Grüße
    Mandy

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  2. was bitte is'n an schnee so schlümm???

    :-P

    viele liebe grüße

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  3. :) Nuja, kriecxe mal den Pass bei Scxnee & Eisxlxtte xocx oder runter, da kann einem anders werden. Warum icx so komiscx scxreibe? Siexe Ende des neuesten Blobeitraxes. Icx freu micx scxon auf weitere Bericxte :))

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