Nach 16h Stunden Busfahrt kommen wir in Iguazu an, 40 Grad und 90% Luftfeuchtigkeit empfangen uns. Willkommen in den Tropen. Das Wetter wirkt auf meine Erkältung wie ein Dampfbad, alles ist im Fluß :) Ich kalkuliere das Preis-Leistungsverhältnis einer Nachtfahrt: 4x Kino, 1x Übernachtung, 2x Essen und Transport für ca. 35 Euro – das macht die Aussicht auf unvermeidliche weitere Fahrten erträglicher. Das Hostel wartet mit Poolanlage, Buffet, Tangoshow und Caipirinha for free auf, krebsrot liegen die Europäer in der Sonne, beim abendlichen BBQ rechne ich hoch, dass ich in zwei Wochen Argentinien bestimmt ne halbe Kuh verdrückt habe.
Der Nationalpark um die Wasserfälle ist ein Touristenmekka, man wird mit kleinen Zügen durch die Gegend kutschiert und wir folgen dem Guide mit dem Schirm wie Rinder im Herdentrieb, sind ja schließlich in Argentinien. Knipsen sie hier, Staunen sie da, Nein, Schmetterlinge zu jagen, dafür haben wir jetzt keine Zeit. Von hinten rückt die nächste Gruppe bedrohlich näher, kreischende Schulklassen, frustrierte Blicke durch verschmierte Wimperntusche weil der Wasserfall die Menschenmassen mit Sprühregen zudeckt. Paul kommentiert meine Erkältung mit „The Iguazu is running through your nose“. Ich staune immerzu, jedoch mehr über die Touristen als über die Wasserfälle. Okay, die sind schon ganz imposant, aber „Hm...“ Huch, da ist es wieder. Bin ich wirklich so übersättigt, oder habe ich zwar mittlerweile ein paar der berühmtesten, größten und touristischsten Wasserfälle der Welt gesehen und nur den Schönsten noch nicht entdeckt?
Hochmut kommt vor dem Fall:



















Am zweiten Tag geht es für kurze Zeit auf die brasilianische Seite der Fälle, wir sehen lustige Tierchen, sogar Tucons. Eine Frau muss dringend aufs Klo, ihr Mann empfiehlt gelassen, nicht an Wasser zu denken, angesichts des Ausblicks muss ich über diesen durchdachten Ratschlag dann doch eher schmunzeln. Je näher wir den Fällen kommen, umso lauter wird es. Was für’n Getöse, da versteht man ja sein eigenes Wort nicht. Leider war eh keiner mehr da, mit dem ich reden wollte, Amerikaner brauchen nämlich ein Visum für Brasilien, die Ausstellung eines solchen braucht Zeit und argentinische Uhren ticken langsamer. Nach ein paar Stunden werden wir in ein Fünf-Sterne-Hotel gekarrt, auf meinem Teller globalisieren sich Leckereien, ein Kind balanciert angespannt ein Stück Melone auf einem riesigen Pizzateller, Omas schaufeln gekonnt die Pyramiden von Kairo auf ihre Teller und ein deutsches Pärchen neben mir nervt mich mit ihrem Streit über ein verwackeltes Bild. Mit einem altklugen „Löscht es doch einfach!“ greife ich ein und blicke in verblüffte Augen. Was mache ich hier eigentlich?












Auf dem Rückweg nach Buenos Aires werde ich zwei Mal aus dem Schlaf gerissen, Passport bitte, Drogenspürhunde schnüffeln sich durch den Bus, irgendwo wird mal wieder gestreikt, das nimmt man hier ernst, also: Wohin des Weges und warum? Ich bin an Soja-Preisen nur interessiert, wenn Asiatisch auf dem Speiseplan steht und gelte somit nicht als suspekt. An einer Polizeikontrolle versuche ich unauffällig Fotos zu schießen, es bleibt beim Versuch, es folgen nonverbale Drohungen und ein Häkchen hinter „unangenehm aufgefallen“. Muss ja auch mal sein. Tja und schon war ich wieder in Buenos Aires, begierig endlich das Geheimnis um den Hype der Stadt zu entdecken.






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