oder
Wie packt man alle Highlights in einen Tag?
Habe ich tatsächlich vergessen, über die gefürchtete Passage auf offener See zu berichten? Tsss! Legenden ranken sich um die 12stündige Nachtfahrt, wenn die Fähre aus den schutzbietenden Fjorden, Buchten und Kanälen aufs offene Meer hinaussteuert. Bislang unerschütterliche Seebären mussten sich hier übergeben, Nahrungsaufnahme entpuppt sich als Verschwendung, Tabletten gegen Reisekrankheit zeigen keine Wirkung ... alles nur Legenden! Die See war ruhig und nachdem alle pflichtbewusst ihre Tabletten eingeworfen hatten, wirkten alkoholische Getränke von der Bar gleich doppelt so gut. Das bißchen Schwanken wurde genutzt, um die Flirtmechanismen auf die nächste Stufe zu hieven (ich war natürlich nur Beobachter und nicht Teilnehmer, das is ja wohl klar), erst nachts um 3:00 Uhr gab es ein paar Wellen, die es in sich hatten, aber ich hatte mich eben erst abgelegt und keine Lust, darüber nachzudenken, ob das jetzt ein versuchter Steilstart des Schiffes ist, oder ich gleich im Bett gegenüber lande - da beides für mich keinen Sinn machte, zog ich es vor, einfach einzuschlafen.
Am nächsten Morgen kam noch vorm Frühstückskommando die aufgeregte Durchsage, dass sich Wale vor dem Schiff tummeln würden. Ich fand den Anblick der zahlreichen Schlafanzüge in FlipFlops und Regenjacke sehr amüsant, guckte aber natürlich auch mal auf meine Freunde, die Wale, die diesmal nur gelangweilt vorbeiglitten, anstatt hysterisch in der Luft rumzuwirbeln. Die gezückten Fotoapparate quittierten sie jedenfalls mit einem überdeutlichen Pffff!


Dieses Wrack ist Überbleibsel eines blöd gelaufenen Versicherungsbetruges. Ich habe vergessen, um was es genau ging, weiß nur, dass es auf einen Felsen aufgelaufen ist und dort nun seit Jahren vor sich hin rostet.

Pio XI - der größte Gletscher Südamerikas mit einer Breite von 5km. Wir waren noch viel näher dran, wobei ich aber anscheinend vergass, zu fotografieren ;)
Und sonst so:



Puerto Eden:
Mitten im Nirgendwo eine kleine Siedlung. Wer hier lebt, will es abgeschieden. Zwei Mal in der Woche kommt die Navimag vorbei - das war's. Puerto Eden ist auch die letzte Bastion der Kaweskar Indianer, eigentlich Nomaden der See. Man versucht gerade verzweifelt, ihre wirklich faszinierende Kultur zu retten, ich bezweifel aber, dass das gelingen wird. Traurig!


Die letzte Nacht an Bord brach an. Neben dem aufregensten Bingo Patagoniens (kann mir mal bitte einer die Begeisterung für Bingo erklären? Gääähn!) gab es Live-Musik von Christo (Namensangabe ohne Gewähr), Typ Seebär mit Vollbart und Tattoos, der mit einem Feuereifer in die Tasten seines Keyboards haute, dass es eine wahre Freude war. Seine Stimme klang nach Schreien gegen den Sturm und sehr viel Whisky und sang Klassiker der Musikgeschichte, das Mitreißenste aber war das verschmitzte Blitzen in seinen Augen. Einfach eine tolle Type - dachte sich auch eine Mittfünfzigerin, die ihre Hüften in einer Art schwang, die jede 15jährige von der Westcoast vor Neid erblassen lässt. Nach dieser Vorstellung begab man sich an die Bar, um bei Trinkspielen aller Nationalitäten auch die oberflächlichste Bekanntschaft als tiefe Freundschaft zu besiegeln. Meine Herren... Enthält Rum, der auf Schiffen ausgeschenkt wird, eigentlich mehr Alkohol?
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