Montag, 18. Februar 2008

28.01.-01.02.2008

„Hä, du bleibst nur vier Tage in Neuseeland?“
oder „Von der plötzlichen Abwesenheit der Kakerlaken“

Naja, eigentlich waren es nur drei komplette Tage, aber das musste ich dem schwäbischen Fragezeichen, mit dem ich in Wellington das Zimmer teilte, ja nicht auf die Nase binden. Aber von vorn ...
Ich eilte nach dem Bridge Climb also zum Flughafen, alles lief wie geschmiert - bis ich am Check-In stand. Die übermotivierte Virgin Blue-Angestellte fragte mich nämlich, was ich in Neuseeland will. Wie? Die Frage verstehe ich nicht. Nach meinen offenbar nicht sehr überzeugenden Erklärungen wollte sie mein Weiterflugticket nach Chile sehen. Ha und da war es - das Problem, das es in den nächsten Tagen dringend zu lösen galt. Meine Tickets waren nämlich nicht mehr leserlich. Offenbar nutzt man bei der Reisewelle Zaubertintenstrahldrucker - keine Daten mehr vorhanden, nix, nada, niente, nicht mal mit zusammengekniffenen Augen und auch nicht gegen das Licht gehalten. Aber wer ahnt denn auch, dass die auf dem Flughafen in Australien das Ticket sehen wollen, mit dem man aus Neuseeland wieder verschwindet?! Das Fräulein musterte mich also skeptisch, doch als Backpacker ist man überall suspekt und so ertrug ich dieses investigative Szenario mit betont unbekümmertem Blick und antwortete auf die Fragen, wie lange ich wo war, wie lange ich wo bleiben möchte und was ich denn dort mache wahrheitsgemäß, nur bei der Frage „Und in Südamerika?“ musste ich passen. Mensch, das weiß ich doch selber nicht. Außerdem hatte ich dieser Umfrage auch nicht zugestimmt und die Zeit drängte, also ließ sie mich passieren. Zunächst musste ich nach Brisbane – ja, Brisbane, die Stadt, die n ö r d l i c h von Sydney liegt und entsprechend weiter von Neuseeland entfernt ist.



Kind erst mehrfach drehen?



Und dann aufpusten?

Die Besatzung im Flugzeug bewies Humor und gab bei der Landung dramaturgisch bestens aufbereitet Folgendes durch: „Welcome to Brisbane. The temperature outside is 10 (entsetztes Schweigen) or 40 degrees (fragende Blicke), usually something in between (grins). Today is 41 degrees. So its a special day. A very warm welcome to Brisbane.“ Ich machte mich auf dem kürzesten Weg zum Check-In, denn dort sollte ich mich noch mal melden, während mein Gepäck auf direktem Wege nach Neuseeland durchgereicht wurde. Das fand ich ja wiederum alles etwas suspekt – und die Dame am Brisbaner Check-In auch. Nach der Frage, was ich denn an ihrem Arbeitsplatz suche und meinem „Och, nur ma kucken, was du so machst. Is viel los heute?“, löste ich mit meinen Nicht-Tickets erstmal Teamalarm aus, drei Angestellte suchten nach Hinweisen und Daten, fanden aber auch nicht viel mehr als ich ... hätte mich aber auch gewundert. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als mir für die Einreise in Neuseeland viel Erfolg zu wünschen. Angesichts der Tatsache, dass ich dort beim ersten Eintreffen im November über eine Stunde gebraucht hatte, ein wirklich netter Wunsch. Bei Ankunft in Wellington war es bereits nach Mitternacht und die Kontrolleure offenbar erschöpft, denn ich war innerhalb von zwei Minuten durch die Passkontrolle, indem ich den Officer mit der Aussage, dass ich ins Qantas-Office muss & auch schon die Adresse weiß (eine dreiste Lüge) zufrieden stellte und machte mich samt Gepäck, was trotz all der Verwirrung tatsächlich mit mir ankam, auf den Weg ins Hostel, wo ich auf das bereits erwähnte schwäbische Fragezeichen traf, dass gegen zwei Uhr morgens noch nicht schlafen konnte und vom Socializing im Hostel im Gegensatz zu mir offenbar noch nicht genug hat. Puh, ganz schön langer Text für einen halben Tag, den man vor allem mit Fliegen zubringt :) Die nächsten Tage in NZ sind schnell erzählt, ich fand einen Schnäppchenflug von Wellington nach Auckland für 27 Euro,



Wellington





Mt. Egmont/Taranaki



kurz vor Auckland

ging zum Qantas-Office, wo ich als vorbildlich vorbereitete Weltreisende die Kopien meiner Flugtickets vorlegte (was mir auf dem Flughafen zu anstrengend war, denn die schlummerten irgendwo ganz tief vergraben in meiner Kraxe), zog mit frisch ausgedruckten Tickets von dannen und hab ansonsten nicht viel gemacht. Zumindest nichts, an das ich mich jetzt noch erinnern könnte. Als man mich in Auckland in zwei Tagen drei Mal nach dem Weg fragte, wusste ich, es ist Zeit, zu gehen.



Grüße an den, der neulich Geburtstag hatte :) Naja, an den Rest natürlich auch

Hinter dem Kakerlaken-Satz in der Überschrift verbirgt sich im Übrigen keine Geschichte, das ist lediglich eine Feststellung.

Da mir die Frage, welches Land ich denn nun schöner finde, ständig gestellt wird, versuche ich mich im Folgenden an einer spontanen Beantwortung

Australien hat die cooleren/interessanteren Leute +1
Neuseeland die besseren Äpfel +1
Australien ist teurer – Punktabzug
Die Sonne in Neuseeland brennt intensiver – Punktabzug
Dafür ist die Hitze dort meist erträglicher +1
Australien bietet mit Sydney und Melbourne zwei wirklich schöne Städte +2
Neuseeland hat Wellington +1
Australien bietet kulturell (Musik/Konzerte/Museen) echte Highlights +1
Den Neuseeländern gelingt die Integration der Ursprungskultur +1
Den Australiern gelingt das nicht – Punktabzug
In Neuseeland sind die Menschen einen Tick freundlicher +1
Floskeln, die man braucht, um durch die Länder zu kommen
Australien: cheers, no worries
Neuseeland: yeppyepp (Zustimmung), catch ya later, cheers, bro
- läuft außer Wertung -
Australien hat eine Website extra für Öffentliche Toiletten (www.toiletmap.gov.au, nie genutzt, aber lustig) +1 für den Spaßfaktor
In Neuseeland gibt es zu viele Deutsche - Punktabzug
In Australien gibt es zu viele britische Backpacker – Punktabzug

Nirgendwo trägt man FlipFlops, weiße Kopfhörer oder Nike Runningshoe zum Businessanzug überzeugter als in Australien. (ohne Wertung)

Wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe, gewinnt Neuseeland also knapp vor Australien. Das heißt, das Fotofinish ist gar nicht nötig, dahingehend hätte Neuseeland nämlich für die schönere Landschaft einen, vielleicht auch zwei Punkt(e) bekommen. Das ist natürlich alles höchstsubjektiv und überschattet davon, dass ich auch nach Monaten noch immer beide Länder nicht wirklich kenne, nur Tourist war und vieles nicht gesehen habe.

Ach übrigens: wie schnell verging denn bitteschön ein halbes Jahr?! Ich habe das Bergfest in Melbourne fast verpasst, nicht gefeiert und ich versuche immer noch Resümee zu ziehen. Ein verdammt schwieriges Unterfangen. Ich könnte jetzt aufschreiben, wie oft ich bislang geflogen bin (16 Mal), wie viele Bücher ich gelesen habe (ungefähr 16, ich weiß nicht mehr so genau), wie viele Bücher ich mir gekauft habe (ungefähr 16, ich weiß nicht mehr so genau :)), wie viele Länder ich bereiste: 4 (inklusive Lesotho, exklusive Chile, am Ende wird sich diese Zahl mindestens verdoppelt haben), ich könnte schreiben, dass ich 8x im Kino war, 137x bloggte (wehe, es beschwert sich nochmal jemand!). Die überraschenste Erkenntnis ist wohl, dass ich Dresden vermisse. Und ein paar Menschen. Alles andere ist zu privat für einen Blog. Und deswegen lautet mein Fazit: Das Ziel ist immer noch unklar, aber der Weg dahin macht Spaß.

3 Kommentare:

  1. ...grüßt zurück (cooles Foto! :)), wünscht noch viiiel Spaß und freut sich schon auf's gemeinsame Hühnchencurry. :)

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  2. Also nun glaube ichd och, dass du zurückkommst. Denn da es in NZ genauso aussieht wie hier und das schöner findest als AUS, dann wird dir nichts anderes übrig bleiben, als heimzukommen.

    Aber einem muss ich widersprechen. AUS ist nicht teuer. Ok, im Vergleich zu NZ evtl. (weiss ja nich wie das da ist), aber im Vergleich zu D sind in AUS max. die Lebensmittel teurer und wir wissen ja aber alle, dass in D die Lebensmittel viel zu billig sind, also das eigentlich jeder bei den deutschen Preisen wissen müsste, was für ein "fraß" er da kauft.

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  3. Sehr geehrter Herr Wirtschaftsprüfer, meine Feststellungen sind natürlich in Relation zu aktuellen Umrechnungskursen und Lebenshaltungskosten der von mir bereisten Länder zu betrachten, so dass ich nicht drumrum komme, Australien in die Kategorie "teures Reiseland" zu verbannen. Aufgrund der Entfernungen summieren sich auch die reinen Reisekosten, selbst wenn sie für sich genommen, echte Schnäppchen sind. Dazu rechnest du jetzt bitte noch Übernachtungen, Lebensmittelzufuhr, touristische Unternehmungen ... addierst das Ganze, multiplizierst die Summe x 3 (Monate) und schon weigere ich mich, mitzurechnen. Aber so ist das nun mal beim Reisen, da gibt man immer mehr aus & will so viel wie möglich sehen, schließlich weiß man nie, ob man nochmal die Gelegenheit dazu hat.

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