Europcar überzeugte uns mit einem Schnäppchenangebot und so saßen vier reiselustige Gesellen mal wieder im Auto, Melbourne als Ziel vor Augen. Ich hatte die Strecke im September letzten Jahres schon zurückgelegt (und klugscheißerte ((wie heißt eigentlich die dritte Person Singular Präteritum von klugscheißen richtig?)) entsprechend vor mich hin, gab Abbiege-Anweisungen und kurze Einführungen in Ortskunde zum Besten), aber das kann ja nun wirklich kein Hindernis sein, Perspektivenwechsel war angesagt, ich kam diesmal schließlich aus der anderen Richtung. Außerdem: anderes Team, andere Jahreszeit, andere Stopps. Gebremst wurden wir auch schon beim ersten Wendevorgang an einer mehr als schrägen Ausfahrt. Irgendwas an unserem Gefährt schliff geräuschvoll am Boden entlang, bange Gesichter, sehr genaues Hinhören und ein paar fragende Blicke unters Auto später winkten wir erleichtert ab, scheinbar war alles okay.


Die Jungs tun so, als wüssten sie, wonach sie suchen

und die Mädchen schauen solange nach Lackkratzern

Wir besuchten bei Dunkelheit die Kängurus am Pebbly Beach, im Gegensatz zu einer Unterkunft mussten wir die auch nicht lange suchen. Es waren Schulferien und jede Menge Australier der Meinung, die gleichen Städte zur Übernachtung wählen zu müssen. Wir wurden nach Batemans Bay verwiesen, dort hätten wir noch die beste Chance auf eine Bleibe, also rollten wir unser Mietgefährt trotz ausdrücklichen Verbots im Mietvertrag zurück über die Schotterstraße durch stockdustere Nacht, von passender Musik untermalt.

unsere Interpretation: Kängurus erschiessen verboten


Die Motel-Besitzer im nächsten Ort schreckten uns mit ihren zahlreichen No Vacancy Aushängen, oder waren ab 21Uhr nicht mehr aufzutreiben und nachdem wohl jeder von uns insgeheim schon ausgetüftelt hatte, wie nun bitteschön vier Leute in dem Auto pennen sollen, fanden wir ein Hotel. Für 30 Dollar pro Nase bekamen wir zwei Doppelzimmer mit Loch in der Zimmerdecke und dermaßen durchgelegenen Matratzen, dass man morgens Schwierigkeiten hatte, sich aus der Kuhle, die man hinein gelegen hatte, wieder zu erheben. Auch sonst war es wirklich schön dort, gemeinsam mit Kakerlaken lässt sich der Rotwein doch viel entspannter trinken. Vom Bayview im Hotelnamen sahen wir auch nichts. Nicht mal als es wieder hell war. Am nächsten Tag ging es wiederum zum Pebbly Beach, um sich die hüpfenden Tierchen auch bei Tageslicht am Strand anzusehen. Auf dem Weg dorthin sangen wir schief zu längst vergessen geglaubtem Liedgut aus der DDR. Sänger hießen damals noch Kulturschaffende oder Liedermacher, klangvolle Namen wie Ralf Bummi Bursy, IC Falkenberg, Die Zöllner, Dirk Michaelis flogen durch den Raum, wir konnten uns aber nicht einigen, wer denn nun „Zeit, die nie vergeht“ singt. Aber das Ding mit der Zeit ist bekanntermaßen sowieso relativ, manchmal scheint sie wirklich stehen zu bleiben – manchmal rast sie – und manchmal wird sie sogar willkürlich in Zeitzonen unterteilt. (Exkurs: Wenn ich alle Zeitverschiebungen, die ich in den letzten sechs Monaten mitgemacht habe, auflisten würde, könnte man das auch mit der Klimatabelle zur Globalen Erwärmung verwechseln. 0,+7,+8,+9,+10,+12,-4 sind die, die mir auf Anhieb einfallen, gerne auch zwei davon in einer Woche. Exkursende) Ebenso wenig wie der Liedinterpret fiel uns der Name für die lustigen Bäume ein, die wir kurzerhand Broccoli Tree nannten.


In Bermagui stellte ich direkt vor der Polizeistation meine Einparkkünste unter Beweis, ich hätte den Anblick ja gern als Kunstinstallation verkauft, aber so recht wollte mir keiner glauben. Komisch. Offensichtlich bin ich schon zu lange nicht mehr in der Neustadt gewesen. Nach Zwischenstopp am Camel Rock fuhren wir nach Eden, wo wir keinen Apfel aßen, sondern Pizza.







Über all dem Rumgekurve in der Landschaft verloren wir die Tankanzeige ein wenig aus den Augen und obwohl laut Karte der nächste Ort absolut im Limit für die Benzinreserve lag, kamen wir einer Tankstelle nicht näher. In Genoa standen drei, okay es waren vier, Häuser, keine Menschenseele auf der Straße und einer hatte sogar, vermutlich purer Spott, eine Zapfsäule zur Dekoration im Garten aufgestellt, doch wir armen Touristen guckten nur

So rollten wir etwas angespannt auf dem letzten Tropfen durch die Pampa nach Mallacootta, um uns im Motel einzuquartieren und die Erleichterung mit Martini und Rotwein zu feiern.


Da ich in Mallacootta schon war, sagten wir am Morgen noch mal den Rus auf dem Golfplatz "hallo!" und setzten später am Tag zum Geheimtipp Raymond Island über – Koalas gucken. Und die boten uns mit ihrem vorbildlichen im Baum abhängen touristengerechte Fotomotive.






Der Wagen rollte weiter, der von Teresa geliehene Player unterhielt mit bester Autofahr-Musik und das gute an Automatikschaltung ist doch, dass das linke Bein immer Tanzen kann, wenn ihm danach ist. Was für’n Spaß.

In Foster kamen wir in einer luxuriösen Cabin mit Einbauküche und allem Schnickschnack unter, leider hatten wir nur noch ein paar trockene Brötchen, aber genug zu trinken und so wurde es wieder ein lustiger Abend. Nach ein paar Tagen hatte sich bereits herauskristallisiert, dass uns nach Ankunft in der Bleibe für die Nacht genau eine Stunde blieb, bis alle wenigstens angetütelt waren.

Den letzten Tag vor Ankunft in Melbourne verbrachten wir im Wilson Promotory Nationalpark, wo wir uns zum ersten Mal in dieser Woche wirklich bewegten und vor lauter Übermut gleich drei Walks machten. Den Lilly Pilly Gully Nature Walk, der heißt wirklich so, aber das Aufregendste an ihm ist noch der Name. Danach peitschten wir aus Enttäuschung auf den Mt. Oberon, auf dem Gipfel pfiff es uns fast weg, aber der Ausblick war spektakulär und jeden Schritt wert. Nachdem wir einen Spaziergang zum Lake machen wollten, diesen allerdings weit und breit nicht fanden, sondern stattdessen – und eigentlich viel besser - am Meer rauskamen, fuhren wir arglos nach Melbourne, obwohl wir gewarnt waren, dass die Geschichte mit der Unterkunft schwierig werden könnte.







hier war eben noch eine schwarze 1.50m lange Schlange. Schreck lass nach!

Wombats sind so cool, die sch... Eiswürfel
Es war Wochenende, Ferienzeit und Australien Open. Aber wer erwartet denn bitte in einer Millionenstadt Unterkunftsengpässe? Wie es weiterging, erfahrt ihr im nächsten Kapitel „Hello again!“ (Ich glaube, ich muss noch an meinen Cliffhangern arbeiten)
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