Schon wieder Isländer. Die haben in diesem Land nicht nur jede Menge Bands, die touren auch noch ständig. Im Societaetstheater also stellen sich am 17.03.2009 fünf sehr junge Menschen auf die Bühne, bewaffnet mit Cello (Drama!), Gitarre, Gitarre, Bass, Akkordeon, Melodica, Schlagzeug und Stimme, nennen sich Rökkurro und gurren den Namen genau so, wie man es von Isländern erwartet.
Die Musik passt exakt in die Label „entrückt, bezaubernd, herzerwärmend“, erfüllt traditionell sämtliche Islandklischees, als Vermarktungsstrategie längst instrumentalisiert und allmählich schleicht sich die Frage in meinen Kopf, ob es eine weitere Band dieses Kalibers braucht. Das ist schon wieder in der Heimatsprache vorgetragener, folkinspirierter Indie-Pop mit unkonventionellen Klassikelementen und überraschenden Noiseeinschüben, im Societaetstheater ganz unspektakulär inszeniert mit einer Lichterkette am Bühnenrand, zur Lightshow drapiert. Auf dem Schlagzeug prangt ein „gate to hell“-Aufkleber, um den Hals der Cellistin windet sich eine Kette mit Jägermeistermotiv, in den Gesichtern liest man zwischen aufmüpfig unschuldig und gelangweilt emotionslos so ziemlich jede mögliche Regung. Die Sängerin erklärt, dass jetzt ein trauriges Lied folgen wird, wir ja aber sowieso nichts verstehen, also sei es auch nicht ganz so traurig, dabei leisten glasklare Stimme und klagendes Cello als Übersetzungshilfe einen hervorragenden Job. Und so spielt auch diese isländische Band behutsam dynamisch, so seltsam das jetzt auch wieder klingen mag, das ist schön anzuhören und sympathisch zu betrachten und beantwortet meine Frage, bevor ich sie laut gestellt habe: wenn Island weiter solch professionelle Musiker hervorbringt, wandelt sich das langsam abgenutzte Klischee von ganz allein zum Gütesiegel.
Rökkurro mit einem Skinny Love Cover des nicht minder großartigen Bon Iver:
und das ebenfalls großartige Daniel von Bat For Lashes im Cover:
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen