Am 12.11.08 gastierten Lambchop im Alten Schlachthof - das totale Kontrastprogramm zu Mogwai einen Tag zuvor. Der Saal war bestuhlt (kann man sich dafür eigentlich mal ein anderes Wort ausdenken?), was angesichts der Musik vielleicht angemessen schien, uns aber im Verlauf des Abends zwecks Mitzappelbedürfnis in den hinteren Bereich des Saales verwies.
Aber von vorn: Dear Reader aus Südafrika bestritten den Part als Vorband mit einer Mischung aus Folk und dramatischem Kammer-Pop, machten ihre Sache ordentlich, sangen für meine Ohren aber den entscheidenden Tick zu hoch. Ich vernahm leider auch keine Melodie, die mir im Gedächtnis blieb, nichtsdestotrotz wurde ihr Debütalbum kurz darauf ausführlichst von der Musikpresse gehypt, nicht zuletzt wegen des „achsogefährlichaußergewöhnlichen“ Umstandes, dass die Band aus Johannesburg kommt und trotz des hinreichend bekannten Elends musiziert. Exotenbonus – gähn! Total albern, dem wahrscheinlich modernsten Land des afrikanischen Kontinents und der dort lebenden weißen Minderheit trotz aller Probleme und Repressalien ganz plötzlich und überraschend musikalisches Können zu attestieren. Musik gehört dort zum Alltag und im südafrikanischen Radio habe ich eine vielfältigere Musikauswahl gehört, als auf manchem sächsischen Sender. Internet gibt’s da übrigens auch ;-) Wer sich ein eigenes Urteil erlauben will, kann am 30.09.2009 Dear Reader in der Scheune erleben. Vielleicht sollte ich auch noch mal hingehen.
Während die Vorband spielte, lümmelte Kurt Wagner (Mastermind von Lambchop) zwei Reihen vor mir lässig im Stuhl, bemützt mit der bekannten Kappe, optisch dem Klischee des amerikanischen Truckers entsprechend.
Lambchop erschienen mit sechsköpfiger Besetzung, der Fokus aber lag wie immer auf Sänger und Songwriter Kurt Wagner. Seine Stimme ist tief und schmeichelnd, die Musik eher zurückhaltend – genau richtig für schummrig beleuchtete Lokalitäten. Dort sitzt man dann aber bitte nicht in einer unentdeckten Ecke, sondern fläzt an der Bar, zwischen kurzen Gesprächen und stillem Sinnieren wechselnd. Kurt Wagner spricht und scherzt immer wieder mit Pianist Tony und lässt trockenen Humor aufblitzen, was auch ein eher ruhiges Konzert sehr unterhaltsam machen kann. Im letzten Teil der Veranstaltung wird’s ein bisschen flotter, „these songs were tested for danceability“, was sich auch im Mitwippen und Kopfnicken unsererseits widerspiegelt. An die genaue Setlist kann ich mich nicht mehr erinnern, nur noch an einen Querverweis auf die Talkin Heads, “And you may ask yourself, am I right or am I wrong?”
Wer mit Lambchop bisher nicht soviel anfangen kann, hört hier mal bitte rein. Ich empfehle dazu ein Glas Rotwein ;-)
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