nur ich bin mal wieder taub
Meine Zeit in Valparaiso war zu Ende, ich ergatterte den letzten Platz im Nachtbus nach Pucon, was ein luxuriöseres Reisen versprach als so mancher Flug. Man bekommt Snacks, hat unglaublich viel Beinfreiheit (in meinem Fall also die reine Verschwendung ;)), eine kuschelige Decke wird sanft über einem ausgebreitet und die Lehne lässt sich fast in die Horizontale umlegen. Dazu TV mit schrecklichen Filmen (Stichwort: van Damme) und in digitaler Laufschrift gibt’s alle Daten des Fahrers, Name, Fahrtzeit, Stundenkilometer etc. – sobald er schneller als 100 km/h fährt, erklingt ein unangenehmes Fiepen. Ich schlief ein, träumte fröhlich von Seepferdchen auf Landgang, die sich wegen der ungewohnten Umgebungstemperatur einen Pelz übergeworfen hatten und nicht so recht wussten, wie sie sich ohne Wasser fortbewegen sollten, wachte über diesen sehr lustigen Anblick nachts 2:00 Uhr auf, woraufhin mein Lachen aber augenblicklich erstarb, denn der ältere Herr neben mir war gerade dabei .. nun, sagen wir mal .. sich selbst gern zu haben. Bis zur Ankunft acht Stunden später hielt ich mich jedenfalls krampfhaft wach. Pucon entpuppte sich als krasser Gegensatz zum dreckigen, kaputten Valparaiso und erinnerte mich eher an ein Schweizer Bergdorf, auch wenn ich noch nie in einem war (lautes Denken: Sind Zürich, Luzern, Bern Schweizer Bergdörfer? Öööhm, nö .. leises Weiterdenken :)). Es gab „Bäcker“, „Spezialitäten“, Straßen namens Holzapfel und einen Strand mit schwarzem, verdammt heißen Sand voller Menschen und bunter Schirme wie auf Mallorca, auch wenn ich noch nie auf Mallorca war und der Sand dort sehr wahrscheinlich hell ist.

Aber egal. Über allem thronte der Villarrica, ein Vulkan, der immerzu am Räuchern ist und nachts Rot in der Dunkelheit glüht. In der Stadt gab es deshalb mehrere Hinweisschilder dieser Art:

gut zu wissen


Um Pucon zu durchwandern, braucht man zehn Minuten in jede Richtung, läuft dabei an Restaurants mit einladenden Namen wie „Bandanas & Bikinis“ oder „Mamas & Tapas“ vorbei, aller 2m wartet eine Travel Agency darauf, einem Vulkanbesteigungen anzudrehen, worüber ich tatsächlich kurz nachdachte, hätte ich nicht im Hostel die Erfahrungsberichte anderer gehört, die auf dem Gipfel um ihr Leben fürchteten, Verbrennungen erlitten, von Beinahe-Abstürzen erzählten. Ich war noch nie Freund von Verbrennungen, weder von Hexen, noch von Büchern, auch nicht von Pizza und Sonnenbrand kann ich sowieso nichts abgewinnen. Jedenfalls entwickelte ich eine Verweigerungshaltung gegenüber jeglicher Aktivität und tat im hochgradig touristischen Pucon nichts. Ende des Beitrags.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen