Aufgrund der zahlreichen interessierten Nachfragen (ich höre Stimmen ;)) bitte doch noch ein paar Worte über Punta Arenas zu schreiben, tue ich Euch eben den Gefallen. Die Fahrt dorthin war großartig. Wirklich, wirklich schön. Es war nämlich Zeit für den klischeebeladenen Auftritts Patagoniens: Nandus, Adler, Flamingos, Lamas kreuzten die Bildfläche, Braun-, Gelb- und Orangetöne machten aus der vermeintlich langweiligen Steppe ein spannendes Farbspektakel, ich fühlte mich an Island, Neuseeland, Lesotho und Südafrika erinnert - und dabei ist Patagonien doch ganz anders, ganz eigen. Was mich richtig angekotzt hat (Sorry!) waren die Hunderttausend Plastiktüten, die den Straßenrand säumten und durch den stetigen Wind natürlich ins Land hinausgetragen werden. Zauber tanzender Plastiktüten? Fehlanzeige. Dennoch ... die Weite, das Land, die Farben nötigen einen dazu, ein Bild von Gauchos vor Augen zu haben, die durch die Steppe preschen - den Blick des Patrons der Ranch noch im Nacken. Oder so :)
In Punta Arenas zeigte sich dann, dass wir wirklich im Transportzentrum der Region angekommen waren - es gab kein Busterminal, der Bus musste sich einen Parkplatz suchen, rückwärts in eine Lücke hineinmanövrieren und mit dieser Aktion konsequent den Verkehr blockieren. Das war aber auch schon das Spannendste an der Stadt.
Nach zwei Tagen Erholung hieß das nächste Ziel Ushuaia - Feuerland. Wir fuhren wieder nur durch Steppe, ich fand's nicht eine Sekunde langweilig. Mitten im Nirgendwo der Pampa trafen sich die Busse aus Nord und Süd, um weiteren Mitreisenden den Zustieg zu ermöglichen, dann heizte der Busfahrer über schnurgerade Pisten, scheinbar wahllos in die Landschaft gezogen, ignorierte alle Kreuzungen im Niemandsland - andere Autos wären aber auch wirklich eine Überraschung gewesen, die Schafe (durch dicke fette Wolle so breit wie hoch) zupften stoisch am Gras, während der Wind unaufhaltsam über sie hinwegfegte, säuberlich abgenagte Tiergerippe lagen am Straßenrand - das Leben der Greifvögel muss getragen vom Wind ein perfektes sein. Böen schüttelten den Bus, die Schotterstraßen taten ihr Übriges, "camino solo de verano" warnt ein Schild – im Winter holt dich hier niemand raus. Dann plötzlich ein Grenzübergang, Chilenische Beamte singen und pfeifen die neuesten Hits, die Argentinischen Grenzer flirten, lesen sich den Pass genau durch, schauen skeptisch auf ihren Monitor, auf mich, den Pass, den Monitor, mich, den Pass... und heißen einen breit grinsend und mit Handkuss willkommen. Ähm... Hola!Ja, ich freu mich auch... Das erste Verkehrsschild nach der Grenze zeigt ein Rind. Ich bin in Argentinien.









Wir brauchten für die 650km gute 11 Stunden, mussten in Rio Grande umsteigen, was ein ziemliches Theater war, denn aus einem handelsüblichen Reisebus wurde plötzlich ein Minibus, in dem nicht alle Platz hatten. Wir quetschten uns in die erste Fuhre, andere mussten 2,5h auf den nächsten Anschluß warten. So rumpelten wir weitere drei Stunden nach Ushuaia, aufs Schlimmste von einem unterirdischen van Damme-Movie unterhalten. Im Supermarkt Ushuaias kostete die Flasche Wodka 5.50 Euro, ein Restaurant um die Ecke warb mit Fischgerichten, es war vollgepackt mit Einheimischen: ein gutes Zeichen, vamos! Zwei Gänge inkl Flasche Wein kosteten uns 6 Euro, das aber auch nur, weil der Wein der teuerste auf der Karte war und zwei Drittel der Rechnung ausmachte. Ich liebe Argentinien.

Und nur angeblich südlichste Stadt der Welt. Offiziell ist es nun doch Puerto Williams - das aber liegt in Chile. Ich bin nach wie vor auf der Seite Ushuaias (nicht nur geographisch), denn Ushuaia ist wirklich eine Stadt, Puerto Williams dagegen verdient die Bezeichnung Siedlung. Von mir aus auch aufstrebende Siedlung, aber Stadt? Ich weiß ja nicht... Aber ich weiß, dass ich nun am südlichsten Zipfel Neuseelands stand, am südlichsten Zipfel des Afrikanischen Kontinents (Cape Agulhas) und nun auch am südlichsten Zipfel ... ähm.. Argentiniens. Na wenn das nix ist.

Damit keiner behaupten kann, man hätte ihn nicht gewarnt, oder wie? So lange sie nur Skaten, oder komische Schilder festhalten...


Unser Hostel

Der Blick aus dem Fenster. Sehr idyllisch und farbenfroh dieses Ushuaia.

Wir unternahmen einen Bootstrip.

Sind aber auch ohne Kahn manchmal abgesoffen.


Plastiktüten überall...

alles eine Frage der Betrachtung

Wie bereits angedroht noch ein paar Worte dazu, dass man sich doch immer wieder über den Weg läuft. Wir hatten nicht nur im Torres Del Paine so gut wie alle von der Fähre wiedergesehen, auch im Hostel in Punta Arenas nisteten vier Leute von der Navimag - drei von ihnen trafen wir in Ushuaia wieder. Irgendwann kann man sich nicht mehr ignorieren und wird sowas wie eine Reisegruppe (soviel zum Thema Individualreisen ;)) Neben Steffi und mir waren nun also noch ein Amerikaner namens Paul und ein Pärchen aus Holland im Team. Erste Bewährungsprobe war ein Tagestrip durch den Beagle Channel, wo wir nicht nur Seelöwen und Pinguine sahen, sondern auch eine kleine Zeitreise zur ersten Siedlung Feuerlands machten - es versteht sich von selbst, dass das Wetter PERFEKT war. Ich hörte nicht zum ersten Mal in den letzten Monaten, dass es ein "exceptional day" sei und Guides/Kapitäne/Einwohner so einen sonnigen Tag/so viele Eisberge/so eine nette Gruppe/so viele Tiere... noch nie erlebt hätten. Verkaufsstrategie oder Wahrheit, ich gewöhne mich langsam an Ausnahmen.



Keine Angst, dies ist nicht das letzte Bild von diesem Leuchtturm

Rückenschwimmen

Nr.2

Nr.3, nun ist's aber gut


Pinguin was machst du denn hier?
Ich stehe schon seit Stunden hier...

Lasst uns einen Kreis bilden (inklusive demonstrativem Abwenden und Fluchtversuch)

Evolution für Anfänger?






Als ich dieses Bild aufnehmen wollte:

knipste Paul mich:


Fluchen auf Indianisch :)









Suchbilder mit Katze:












So, da war ich nun also in Feuerland, wusste aber nicht so genau, wohin die Reise weitergehen sollte. Die Holländer und Steffi wollten zu nem Gletscher und dafür 19h Busfahrt auf sich nehmen, mir war nicht nach Langstrecke und schon gar nicht nach Gletscher. Ich entschied mich für Buenos Aires, fand einen vergleichsweise billigen Flug und mit Paul eine Begleitung. Das Interessante an argentinischen Flugbuchungen ist, dass man zwar bezahlt, aber keinerlei Bestätigung bekommt. Also wackelten wir ins Office, dort wurde rückbestätigt, dass alles okay und lediglich der Reisepass von Nöten sei. Na gut. Ein paar Stunden später befand ich mich eingekesselt von einem riesigen Maori und einem kleinen Amerikaner auf dem Weg nach Buenos Aires. Der Neuseeländer war eine echte Type, von oben bis unten zugehackt, klopfte sich ständig wie ein Gorilla auf die Brust, jedes zweites Wort war "brother" und drei Bier genügten, um ihn für den Rest des Fluges komplett auszuknocken, denn er arbeitet als Fischer 50 Tage am Stück, aufm Schiff ist Alkohol strikt verboten und während er sehr lautstark sehr Interessantes erzählte, sich zwischendurch immer wieder - ganz Gentleman - für seine rüde Sprache entschuldigte, spülte er sich mit einem weiteren Bier in den Tiefschlaf.
mir ist zu ohren gekommen, das du dich über mehr kommentare und meldungen sehr freuen würdest. da ich regelmäßig (fast täglich) in dein reisetagebuch schaue und , auch wenn mir die texte manchmal fast zu lang sind, sehr begeistert bin von den berichten und erst recht von den vielen tollen fotos, möchte ich dir dies hiermit mal kund tun. TOLLE FOTOS!!!!
AntwortenLöschenviele grüße aus dresden.
bin auf deinen Blog durch den Link auf Teresa's Seite gekommen ... so lernt man sich kennen ;-)
AntwortenLöschenSchließe mich Anton an: Tolle Fotos!
Alaaf! aus Köln
michamoeller
@anton:
AntwortenLöschenzu lange texte? das ist doch nur der ersatz fuer das schmerzlich vermisste wodka-lemon-glas-gebrabbel in dresdner gefilden. kannst froh sein, wenn ich den blog nach rueckkehr nicht dazu nutze, an dieser stelle kneipengespraechgedaechtnisprotokolle zu veroeffentlichen. sicherheitshalber ohne fotos. das koennte peinlich werden - vor allem wohl fuer mich selbst :))
@delfisch: willkommen! :)
freut mich, dass die fotos gefallen.
ich war nach Lesen der Seiten richtig euphorisiert und spiele mit dem Gedanken, mir auch nen Fotoapparat zu holen. hab nur sone kleine Seifendose. Ich weiss schon, das Auge macht das Foto, nicht die Technik. War im Februar in Afrika und hab da schon gemerkt ... wenn ich im Display nicht mal genau sehe, was vor der Linse ist ... fetzt nicht.
AntwortenLöschenkeep on knipsin'! wir gucken zu ;-)
@delfisch:
AntwortenLöschennuja, ich habe auch nur ne ixus 70 und fotografiere damit leidenschaftlich gern durch versiffte busfenster ;)
frage nicht, wie oft ich all die traveller beneidet habe, denen eine digitale spiegelreflex um den hals baumelt. andererseits... noch mehr gepaeck rumschleppen und noch offensichtlicher tourist sein, noe danke!
und ja, motive gibts da draussen wirklich im ueberfluss. die entscheidung, ob man sich technik vor die augen haelt, oder lieber den anblick geniesst, ist nicht immer eine leichte :)
ah, die Canon Miniknips. die hat optischen Zoom und 7 Mpix, schon viel besser als meine Olympus Aber wie gesagt, Technik macht keine besseren Bilder, vielleicht macht es mehr Spass und wenn die Aufnahme vergrößert werden soll ... bei dir würde sich das sicher lohnen ... Fotografieren ist ja auch eine Art, sich Realität/Umwelt anzueignen und Fantasietraining dazu. Man ist sehr konzentriert und aufmerksam dabei - ohne dass es in Stress ausarten muss. So kann man dem Wesen der Dinge nahe kommen. immer guckt zuerst das Auge und erst danach kommt die Technik zwischen sich und das Objekt. Den Genuss der Situation braucht das nicht zu schmälern, aber der Sucher läuft immer mit, stimmt schon. aus dem Grund bin ich mal nach Burma ganz ohne Kamera gefahren ... habs dann ziemlich bereut ...
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