Uff, da habe ich mir ja was eingebrockt. Nicht wirklich wissend, wo ich anfangen soll, gehe ich mal chronologisch vor und versuche, meinen sehr rudimentären Erinnerungen an Byron Bay auf die Spur zu kommen. Eigentlich reichen zwei Sätze: die „Anstoßrunde“ wurde etabliert und es hat geregnet. Okay, das war ein Satz, aber die beiden Aussagen sind umfassend. Das Ritual der Anstoßrunde begann täglich kurz nach dem Aufstehen und endete beim Ins-Bett-kriechen. Vielleicht hatte sie doch größeren Einfluss auf mein Gedächtnis, als zunächst vermutet. Zwischendurch erkundeten wir Byron Bay – weniger spektakulär, es sei denn, man mag Shoppen, Jugendcamp-Atmosphäre in den Straßen und Peace-Zeichen als Weihnachtsbaumschmuck. Den einzigen Laden, den ich von innen sah, war Woolworth, den enterten wir jeden Tag, ausschwärmend wie ein Einsatztrupp.

Irgendwelche Leckereien standen also immer auf dem Tisch, zumal wir Teams bildeten, die für das Abendbrot zuständig waren. Die Battle um das beste Dinner wurde eigentlich nie entschieden, das Schweigen am Tisch war wohl in allen Fällen Zeichen für äußerste Zufriedenheit. Das Haus war super, groß genug jedenfalls für unsere Überbelegung und die 50m zum Strand sprechen für den idealen Standort.

das Frühstücksangebot

Wohlstandskinder
Das zweithäufigste Wort nach „Anstoßrunde!!!“ hieß „organic“, verweisend auf bewusste Ernährung und der Umgebung angepasst, denn die Städtchen in der Nähe trumpften durch Hippie-Anleihen auf und erfreuten Fans von Batik, Straßenkunst und Kristallkugeln. Man sollte Nimbim als Reim auf Klimbim ernst nehmen.


Folgen Sie dem weißen Wagen!

das 5. von oben ist aber billig
Das Hinterland erinnerte ziemlich an Neuseeland, war also entsprechend schön. Bei einem kleinen Spaziergang an einen Bach machten ein paar von uns Bekanntschaft mit Blutegeln, für mich hatte sich eine Zecke entschieden, die ich am nächsten Morgen entdeckte. Nachdem sich herausstellte, dass keiner der Anwesenden ausgebildeter Veterinärmediziner, Haustierbesitzer oder hobbymäßig Zeckenentferner war, beschloss ich, zum Arzt zu gehen. Nach kurzer Wartezeit in so ner Art Krankenhaus war ich sie wieder los und angesichts der mit mir anwesenden komatösen Alkoholvergiftungen und Möchtegern-Surfer-mit-schlimmen-Blutergüssen-und-Verrenkungen wahrscheinlich der unkomplizierteste Patient. Ich kann meinen Tick nun immer entschuldigen, denn Tick heißt Zecke. Meine größte Sorge galt einem eventuellen Alkoholverbot (es war der 31.12.!), aber das hätte ich mit „intravenöser Desinfektion“ sowieso abgeschmettert. Ach und das Ganze hat mich im Übrigen keinen Cent gekostet, vielleicht war ja die Jahresendabrechnung schon geschrieben. So wurde es also Silvester, Wunderkerzen verhalfen zu entsprechender Stimmung, die Countdowns, die gezählt wurden, waren nicht wirklich synchron, pünktlich war nur der Regenguss um Mitternacht, aber was soll’s. Prost & Frohes Neues! Der 1.1. war bei mir, solidarisierend mit dem Handynetz, ein Totalausfall, mein Ess- und Sprechwerkzeug ruhte, in mein Bett hatte ich es am

Morgens um 10 Uhr, also viel zu früh, stießen wir erneut an, denn da sind wohl die meisten Leser dieses Blog endlich in 2008 gerutscht. Also noch einmal: Prost (Widerwillen äußernd) und Frohes Neues! Die nächsten Tage werden durch Zitate von Mitreisenden, die ungenannt bleiben möchten, trefflich umschrieben: „Warum gibt es hier keine Sauna?“ und „Nicht, dass wir noch evakuiert werden müssen“. Nachdem es sich eingeregnet hatte, die Videothek keine gescheiten Filme mehr bot, die Nachbarn in Kampfausrüstung (Regenjacke, Gummistiefel, Schirm) mehrfach am Fenster vorbei rannten, ich auf den Mann im Tauchanzug und Schwimmflossen wartete (leider umsonst), der Blick von innen nach außen eher einem Blick in ein Aquarium glich und auch die Vorhersage nichts Gutes verhieß, machten wir uns, einen Tag eher als geplant, wieder auf den Rückweg – eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte, denn der Highway Richtung Süden wurde, nachdem wir ihn stundenlang mit durchschnittlichen 30km/h immerzu im Regen entlang rollten (diese Geschwindigkeit macht in Australien üüüberhaupt keinen Sinn), überspült, gesperrt, wie auch immer, jedenfalls war er nicht mehr passierbar. Wir brauchten für die 800km nach Sydney gute 13h. Uff.



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