Studentenwohnheim - Aus- bzw. Einblicke

Auf dem Weg zur Art Gallery fand ich mich plötzlich im Trubel der Christmas Parade wieder. Mitte November, bei 25 Grad und Sonnenschein. Is klar… *Vogelzeig. Nennt mich altmodisch, aber ich komme partout nicht in Weihnachtsstimmung, wenn niemand in Handschuh und Schal gemummelt ist, der in Alufolie gekleidete Schoko-Weihnachtsmann sechs Dollar kostet & man sich nur nach der eisigen Variante von Tee sehnt. Ich kann nichts dafür, Europa hat mich so sozialisiert. Einen Lieblingsslogan konnte ich dennoch entdecken: „Jesus is the reason for the season“. Das hat Schmackes und macht auch noch Sinn. Einen Schuldigen muss es schließlich immer geben. Nach der Parade strömten scheinbar alle Zuschauer Richtung Innenstadt, nur ich warf mich ihnen ein wenig chancenlos in den Weg, mein Ziel lag in Sichtweite auf der anderen Seite der Menschenmassen. 100 m in einer Viertelstunde… Das hab ich auch schon mal schneller geschafft. Der Striezelmarkt in der Prime-Time ist jedenfalls ein Witz dagegen. Kinder wurden zu kleinen Stolperfallen, als sie Konfetti aus dem Rinnstein klaubten, dabei ihre Eltern aus den Augen verloren, und anschließend nicht mehr im Dreck, sondern leicht verunsichert in der Nase pulten. Ganze Mannschaften zurück gelassener Kinder rauften sich zusammen und um den schönsten Papierfetzen. Ein Theater! Endlich am Ziel angekommen, belustigte mich ein Ausstellungsraum, der einer HfBK-Studentin (!!!) zugestanden wurde. Diese hatte auf DDR-Campingtische Strukturen gemalt und mit Perlen großformatige Bilder gebacken. Ja genau, Perlen in Florena-Deckeln. DDR-Kinder erinnern sich an das Gefriemel, tolle Muster und abgefahrene Bilder anzuordnen, nur um nach vollbrachtem Brennvorgang draufzulatschen und die Bruchstücken dann trotzdem zu verschenken - war ja selbst gebastelt… Das Werk von Fräulein S. aus Zw. hingegen war in erster Linie sicherlich politisch motiviert, nur konnte mein ungeschultes Auge den sozialkritischen Aspekt ihres Schaffens nicht erkennen. Vielleicht hatte sie auch einfach nur Spaß, wer weiß… Was ist Kunst? (Rhetorische Frage!)


Nach zwei Stunden Galerie-Rundgang des Inputs noch nicht überdrüssig, ging es noch auf einen Abstecher ins Te Papa, seines Zeichen Nationalmuseum und eine Fundgrube an Informationen. Wer in Wellington ist, MUSS dahin gehen – und am besten gleich drei Tage einplanen. Nur dann nämlich kann man seinen Spieltrieb an jeder der angebotenen interaktiven Exponate ausleben, alle Erklärungen kurz überdenken, Bilder angemessen wirken lassen, den Blick aus den Fenstern genießen, all die kleinen lustigen Details entdecken, sämtliche Simulationen erleben, durch den Museumsshop stöbern, Antworten bekommen, um Platz für neue Fragestellungen zu machen…

Te Papa - Ausblicke



Natürlich reichte auch das an Eindrücken für diesen Tag noch längst nicht aus, also ab zum Mt. Victoria Lookout, einen letzten Sonnenuntergangsblick auf Wellington geworfen und dann in die Uni, die Jahresausstellung sämtlicher Gestalter anschauen. Sehr schick. Danach war es um meine Auffassungsgabe nicht mehr ganz so gut bestellt.

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