Freitag, 4. Juli 2008

13.06. – 03.07.2008

Post aus Amerika



Was für ein Empfang... ich bekam mein eigenes Reich (größer als meine ganze alte Wohnung in DD) in diesem schicken Haus



und zur Begrüßung gab es (nicht nur) ein Glas Nutella und den CityPass für New York (Carsten, Red, Susi – 10000000000 Dank!!!! - ungebremste Vorfreude! :)). Bei Ankunft ist noch völlig unklar, wie lange ich bleibe, mittlerweile wissen wir, es sind drei Wochen. Fragt mich bitte nicht, wo die Zeit hin ist, wir haben doch eigentlich nichts gemacht, außer:

- Kultur und Bildung unterhaltsam aufbereitet im Greenfield Village zu uns genommen. Das Greenfield Village ist sowas wie Disneyland für Intellektuelle, ein OpenAir-Gelände mit originalen, historischen, wieder aufgepäppelten Häusern amerikanischer Berühmtheiten wie den Wright-Brüdern, Henry Ford, oder der Leuchte Thomas Edison, super für den Aha-Effekt und zum Bildungslücken vertuschen.







Spaß für Groß und Klein



- außerdem haben wir "strawberry fields forever" gesummt



2 Stiegen davon gesammelt



Im Bild: eine handelsübliche Müslischüssel, im Vergleich dazu die Ausbeute einer halben Stunde Erdbeerfeld. Trotz permanenter Qualitätskontrolle (YUMMY) und großzügigem Geschnippel bei der Verarbeitung ergab das circa sechs Kilo Fruchtalarm. Was man mit dieser Masse Erdbeeren macht? Och, da fällt einem einiges ein, frisch auf den Tisch mit oder ohne Topping, als Jogurt verarbeitet, zu Eis gefroren, etc.pp.

- wir mussten Unkraut jäten, was sollen sonst die Nachbarn denken



vorher



nachher

- mit den Kids Bagger, Radlader, Müllautos und ähnliches Gefährt beobachten, die dazugehörigen englischen Bezeichnungen lernen - wer weiß, wofür das nochmal gut sein wird
- die Umgebung erkunden, US-Flaggen zählen, sich über die Nachbarin amüsieren, die ein „neighborbook“ führt, in dem sie Namen etc festhält











- eine kleine Fahrradtour machen
- die Malls der Umgebung abklappern
- Seifenblasen jagen



dabei für größere Akzeptanz Mamas Jacke tragen

- People Mover aka Hochbahn in Detroit fahren





















unschwer zu erkennen: Detroit ist wie ausgestorben, ganz seltsam. Schöne, alte Häuser verfallen, kein Mensch ist unterwegs... merkwürdig.











- Essen gehen
- Bilder gucken im Detroit Institute Of Art (inklusive "Elbe near Dresden", Ernst Barlach und den üblichen Verdächtigen)
- Babysitten
- sich die Baseball-Regeln selbst erklären und dabei von fundiertem Brennball-Wissen profitieren











Baseballgames zu besuchen, heißt in Amerika vor allem, unterhalten und jeder Menge Werbung ausgesetzt zu werden, man hört nicht nur die Hymne, sondern auch andere patriotische Lieder, d.h.: Mütze ab, Hand aufs Herz und inbrünstig mitsingen, es gibt Geburts- und Jahrestage auf der Leinwand, man beschenkt Kids mit Minihummers, die Pfadfinder dürfen auch nicht fehlen und IKEA sponsort die bequemsten Sitze. Und sollte es regnen, geht das halbe Stadion trotz professionellster wasserabweisender Ausrüstung eben HotDog essen.













- dem Stammtisch beiwohnen,
- Rehen, Eichhörnchen und Chipmunks nachgucken
- das Kino auf die Couch holen: endlich Into the wild (4/5), The Hours (5/5), Stranger Than Fiction (4/5), Juno (5/5) und .. ähm .. Bee Movie (4/5) sehen.
- in die Library, auf die Post, zum Farmers Market, in den Supermarkt und mehrfach in den Buchladen gehen
- sich über einen wohlerzogenen, multilingualen Dreijährigen amüsieren:
"Goodbye everybody, i have to pee"
"I’m sorry, ich habe gerülpst"
- Reiseplanung betreiben (Boston? Philadelphia? Washington? New York!)
- sich über erschreckend schlechte Straßen in Motor City wundern, Öffentliche Verkehrsmittel = Fehlanzeige
- Karussell fahren
- im Park chillen
- mehrfach zur Waschanlage pilgern (faszinierend!)



- Bücher (vor)lesen



- sich über Glückskekse und deren tiefere Bedeutung wundern



- Statements hinterfragen



ok



Einspruch!

- Kindheitserinnerungen im Spielzeugladen aufleben lassen (kennt noch jemand außer mir das Buch „Der glückliche Löwe“?)
- wiederholter Bildausfall beim Stand von 2:2 im EM-Halbfinale. Es folgt der Versuch, die Sendung aufzunehmen und die anschließenden vier Stunden voller Verpflichtungen bei gleichzeitiger beunruhigender Unwissenheit über den Ausgang irgendwie zu überbrücken
- Kunstprojekte bestaunen









- Picknick
- Kolibris im Garten entdecken (warum war ich eigentlich in Costa Rica?)
- Fotos machen



- EM-Finale aufnehmen. Wir waren durch das Baseballspiel verhindert, fieberten aber später umso doller mit.
- kurz: ne gute Zeit haben in bester



und sich Gedanken über die Amis machen. Was habe ich gelacht, Kopf geschüttelt und gestaunt über den american way of life, also über

- 100m Müsliregal und man findet trotzdem nichts, was einem schmecken könnte
- Mädchenfahrräder haben tatsächlich Schleifen dran
- man geht in Sportklamotten spazieren
- 70 Millionen Amerikaner, also etwa jeder Vierte, gehen täglich in Fast Food Restaurants, was kein Wunder ist, denn Restaurantpreise sind äußerst erschwinglich und meist genauso teuer, wie wenn man die Zutaten kaufen würde, um ein DIY-Essen zu kreieren
- die Gallone Sprit kostet circa 4.20 Dollar, ich bilde mir ein, 2001 lag der Preis deutlich unter 2 Dollar
- im Radio macht man Werbung für Schönheits-Operationen und DNA- Tests (wird nach der Schönheitsoperation ein DNA- Test zur Identifizierung nötig?)
- man kann von Detroit nicht nach Boston fliegen, sondern muss in Orlando und Atlanta oder Philadelphia und New York umsteigen, was, wenn man auf die Karte schaut, völlig widersinnig ist. Klar gibt es Direktflüge, die kann sich allerdings kein Mensch leisten.
- Detroit ist auch an das Zugnetz nur unzureichend angeschlossen, von Bussen ganz zu schweigen
- es gibt Eier im Tetrapak *vogelzeig
- der linke Arm liegt beim Speisen Schaufeln im Schoß
- den Geldautomaten erreicht man über den Drive-In
- im TV versprechen grüne Staubtücher wundersame Heilung und plötzlichen Reichtum, die Rede ist vom "miracle prosperity handkerchief"
- der Rasen ist das Heiligtum eines jeden Hausbesitzers – Mähen, Wässern, Düngen, einmal wöchentlich bitte – und für die zubetonierten Einfahrten gibt es auch eine Lösung: Rasen, der auf Beton wächst. Keine Werbeunterbrechung ohne mindestens zwei aggressive Spots für des Amis liebste Pflanze.
- auf der Post gibt es Landkarten von Afghanistan und Irak, gerahmt, mit roten Aufklebern – um die Wege der Soldaten nachzugehen, alle schön mit Flagge versehen. Außerdem erhältlich: vorgefertigte Gebete für Frau, Mutter und Gemeinde, mit ovalem Foto, Flagge und Heldenstatus, Kosten: 39.90 Dollar
- es gibt jede Menge Wetterkanäle im TV, die einem gewissenhaft einen Überblick über die vergangenen (!) 24h darstellen, aber total unpräzise Angaben über die Aussichten machen
- Nachrichten-Sendungen bestehen aus einem zehnminütigen Beitrag über den Diebstahl von Sprinkler-Anlagen - mit Augenzeugenberichten und Opferinterview, den neuesten Schießereien, Bedrohungen und Skandalen, gefolgt von der Info, dass Chryler seine Fahrzeugmodelle ab nächstem Jahr mit WLAN ausstattet, gefolgt von einem Plädoyer für das deutliche Tragen von Waffen, um sich beim Spaziergang im Park sicher zu fühlen, gefolgt von einem Beitrag über die Entwicklung einer Eiscreme, die sich selbständig dreht, damit man beim Eisessen wirklich nicht viel mehr als den Mund aufmachen muss. Ein kurzer Seitenblick auf die Startseite von sz-online informiert tatsächlich besser über das Weltgeschehen als amerikanische Nachrichtensendungen. Wer hätte das gedacht?

7 Kommentare:

  1. wer ist eigentlich die frau in der braunen jacke?

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  2. @francesco: sag mal, kennen wir uns? :)

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  3. also werden hier meine brennball kenntnisse in frage gestellt?
    hab noch einen neuen "jasper" fuer dich - auf die frage was wir denn morgen essen wollen, kam die antwort:"breakfast!" also dann...

    marleen

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  4. @m: die vorstellung vom paradies - den ganzen tag nutella :) sehr wahrscheinlich wuerde man nach zwei tagen wieder unisono "more cheese" skandieren.

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  5. solltest mal deine voicemail abhoeren, mio telefoniert den halben tag mit dir ;-)

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