Mittwoch, 7. Mai 2008

26.-27.04.2008

Ohje, so viel Text

La Serena war als Zwischenstopp auf dem Weg zurück nach Argentinien gedacht, aber leider war schnell klar, dass man von dort aus doch nicht ins gewünschte Land kommt, da ein Bus zu breit für den Andenpass ist und alle anderen Transfers unverschämte Preise in Charterflug-Höhe verlangten. So wurden es zwei ereignislose Tage, geprägt vom etwas ziellosen Umherschweifen in einer typisch chilenischen Stadt irgendwo an der Panamericana. Drumherum ist das nördlichste Weinanbaugebiet Chiles zu finden, das Wein-Testen habe ich allerdings mittlerweile in die örtlichen Supermärkte verlagert, nachdem ich mehrere Bodegas gesehen habe und die Herstellung letztlich doch überall ähnlich verläuft. Die Innenstadt bot das übliche begrünte Quadrat als Zentrum an, so ein „Plaza de Armas“ sieht doch wirklich überall gleich aus. Ach ja, wird sich der interessierte Leser jetzt denken, so ein Plaza de Armas ... Plaza de Armas? Hier ist eine kleine Bauanleitung zum Nachbasteln. Man nehme zwei sich kreuzende Diagonalen, auf denen Fußgänger über dösende Hunde stolpern können und Mühe haben, Bettler, fliegende Händler und (sofern weiblich) Machos zu ignorieren. In der Mitte baue man einen Brunnen, stelle scheinbar konzeptlos hier und da noch eine Statue von wichtigen Persönlichkeiten der Stadt hin (wobei es egal ist, ob es sich um Nobelpreisträger oder ehemalige Schuldirektoren handelt), hübscht das Ganze mit Sträuchern und Bäumen auf, die noch in der trockensten Wüste fleißig bewässert werden und platziert ein paar Bänke, auf denen sich Bettler und Machos vom Tagewerk ausruhen können. Zeigt der Kalender „Wochenende“ bummel man an kleinen Marktständen vorbei, schaue interessiert politischen Demonstrationen zu und „unter der Woche“ lassen sich, praktisch gruppiert, Post, Bank, Kirche, Stadtverwaltung und Museum innerhalb weniger Minuten abgrasen. Außerdem postiere man an jeder Ecke ein paar Polizisten, die das Treiben mit Argusaugen bewachen. Heißt ja schließlich auch „Platz der Waffen“. Fertig. Da ich nicht an Touri-Touren in der Gegend interessiert war, blieb noch das neue, schicke Einkaufszentrum übrig, um Zeit zu vertrödeln. Dort hatte man ein Kino hingesetzt, aber leider nicht die geringste Ahnung, was sich hinter den Filmtiteln eigentlich verbirgt. So findet man zwar Vorstellungsbeginn, Filmdauer und Sprache heraus, was sicherlich nicht zu verachtende Basisdaten sind, aber worum geht’s eigentlich? Ratlose Gesichter auch beim Personal ... PR-Profis schlagen bitte jetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Leider wird die Internetrecherche durch nicht gerade schlüssige Übersetzung des jeweiligen Originaltitels unnötig erschwert. Zunächst schaut man sich also auf spanischsprachigen Webseiten um, finde heraus, welche Schauspieler mitwirken, gebe mindestens zwei von ihnen dann bei IMDb oder Google ein und hoffe auf Treffer.. oder man lässt sich überraschen. Der riiiesige lokale Supermarkt bot, kunstvoll drapiert, importierte Waren an und ich entdeckte Vanillinzuckerpäckchen (ja, die kleinen gelben), braunen Kandiszucker, Lausitzer Apfelmus und Kulmbacher Bier – die wahren deutschen Exportschlager. Chilenische Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zeigten sich hier nicht nur im überall anwesenden Sicherheitspersonal, sondern auch durch die in nahezu jeder Regalreihe An- bzw. Abgestellten, die mit ausdruckslosem Gesicht die unterschiedlichsten Produkte ins Blickfeld potentieller Käufer halten. Ich lief also durch die Reihen und plötzlich traf es mich wie ein Schlag. Ich vermisse ein Zuhause - einen eigenen Kühlschrank, Vorräte; ich vermisse es, einen unkoordiniert holpernden Einkaufswagen durch die Gegend zu schieben und mit Sachen zu füllen, die ich zwar jetzt nicht brauche, aber auf die ich vielleicht in den nächsten Tagen Lust haben könnte. Leider verlagere ich ja seit Monaten aller paar Tage meinen Standort um Spuren zu verwischen und kann nicht so einkaufen, wie ich es gern mal wieder würde. Und so entstand eine Liste im Kopf, die schnell immer länger wurde und bevor ich wieder vergesse, was ich (zumindest hinsichtlich Konsum) eigentlich will, steht im Folgenden, was ich wirklich wirklich vermisse, wohlwissend, dass davon nicht alles käuflich ist.

Musik – laut und live, Wodka-Lemon, Jahreszeiten, Frischkäse, Lachs, Vollkornbrot, Knusperflocken, Ziegenkäse, Tomate – Mozarrella – Basilikum, Gewürze - nicht nur Salz, Stachelbeermarmelade (keine Ahnung wie ich darauf komme), Spargel, Erdbeeren, Kneipengespräche, Weintrauben – Oliven – Käse, Filterkaffee, Tee – nicht nur Earl Grey, ein selbst ausgesuchtes Waschmittel, Kinoabende – und dazugehörige Kinonewsletter schreiben ;), Kochduelle, ein paar mehr Klamotten, Chicken – Curry, Straßenbahnen, den Alaunpark, die Elbwiesen, Grillen (nicht die Tiere), für eine Woche und nicht nur für einen Tag einzukaufen, Nachrichten – verbunden mit dem trügerischen Gefühl, informiert zu sein. Und ein paar Menschen.

Kurz: den Luxus, die Wahl zu haben – in allem.
.. to be continued ..

Ich hätte das Apfelmus kaufen sollen.

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Demnächst in diesem Blog: „Die Mendoza-Verschwörung“

2 Kommentare:

  1. also du kannst gerne fuer uns viere demnaechst einkaufen gehen - jetzt freu ich mich erst so richtig, dass du kommst ;-)!
    m.

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  2. liebe m.,

    aber gern doch! du kennst das ritual: immer erstmal den nächsten supermarkt abchecken. aber dass du dich JETZT ERST freust, ... ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll. dein geburtstagspäckchen wird wohl auf einem der nächsten flüge abhanden kommen ;) ups!

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