Von San Pedro zum nächsten Ziel sind es 500km, denn statt einfach nur rüber an die Küste zu fahren, geht es in den Nordwesten nach Iquique. Die Fahrt wird aufgrund des zeitigen Sonnenuntergangs eine ziemlich dunkle, die Leselampe leuchtet das mühsame Sinngeben von Buchstabenreihen mit der Kraft von 1 GW (Glühwürmchen) aus, beim Starren in die Dunkelheit kann ich mehr erkennen. Am späten Abend Ankunft in Iquique und ich kieke und kieke, kann aber partout nichts entdecken, was diese Stadt ausmachen soll – und bleibe trotzdem vier Tage länger als geplant. Weil es sich wie Urlaub anfühlt und nicht wie Reisen. Das Gefühl, sich unbedingt tausend Sachen in der Umgebung anschauen zu müssen, hat den Bus verpasst. Also läuft man an der Strandpromenade entlang und wartet angesichts des Iquiqueschen Versuches, Kalifornien zu imitieren, auf Rollerblader und Jogger – die dann tatsächlich auch vorbei kommen. Im Stadtzentrum sieht es aus wie nach einem Erdbeben, was hier im Norden Chiles nicht von ungefähr kommt. Ist es eigentlich sehr seltsam, dass ich schon ganz gern mal ein Erdbeben erleben würde? Es darf auch ein kleines sein, so hoch sind meine Ansprüche da nicht. Jedenfalls ist diese Stadt tot, leer, seltsam. Auf Holzfußwegen läuft man an Kolonialzeitfassaden vorbei, die Dächer sind eingefallen, ausgebrannt und zwischen dem üblichen Anblick streunender Hunde, suchen Bettler im Dreck nach Verwertbarem.


california dreaming

der häßlichste Baum der Stadt

immer schön der Reihe nach

nein, keine Wäscheleine

traditionelles chilenisches Saitenzupfinstrument
für die Tierfreunde:



Tuna bevor er geschreddert in der Dose landet

Password Swordfish

ähm...

oha!


Montag - Freitag 07:30 - 08:30 befinden sich Norden und Süden fast in der gleichen Richtung, Aufenthaltsort am Wochenende und den restlichen Zeiten unklar

Zum Mitnehmen? Such dir eine Packung aus

für die ganz Blinden: hier ist der Optiker
Trotzdem stellt sich ein Urlaubsgefühl ein, wozu auch das Hostel beiträgt, in dem ein spezieller Vibe herrscht. Man kommt an und stört sich nicht am 9-Bett-Zimmer, die Räume sind hell, groß und liebevoll dekoriert, fast so, wie man es selber auch einrichten würde, das Haus zieht einen gewissen Schlag Backpacker an, nicht die, die jeden Abend ausgehen müssen, sondern die, die alle schon seit Monaten unterwegs sind, kein lästiges Tütenrascheln am Morgen, kein nächtliches Über-Taschen-Stolpern, keine lauten Gespräche im Zimmer – jeder weiß, was es bedeutet, einen Raum zu teilen und versucht, störende Elemente zu eliminieren. In den letzten neun Monaten habe ich so gut wie nie eine derartig einträchtige Stimmung untereinander und Verständnis füreinander erlebt. Die Miniküche ist nicht nervig, sondern gemütlich, statt den übervollen Kühlschrank mit Naserümpfen zu betrachten, wird es zum amüsanten Spiel, anhand der Tütenform zu erraten, was sich darin verbergen könnte (eine weiche Avocado entpuppt sich als Hühnerbrust, aus Äpfeln werden Kartoffeln etc), man kann ohne angelabert zu werden, völlig versunken Bücher lesen, der Fernseher bleibt aus, oder 30 Leute einigen sich auf eine DVD, die Musik ist hip, aber im Hintergrund, man wird nicht nach der Facebook-Adresse gefragt, statt Bier trinkt man Wein, kleine Jamsessions, jeder Abend ein Gartenfest... man, das klingt wirklich entspannt :). Am ersten Tag geht man noch auf die übliche Entdeckungstour, am dritten Tag ändert man Pläne, am fünften Morgen weiß man nicht mehr, welcher Tag eigentlich ist. Und dann reißen einen doch plötzlich Einzelne aus diesen Momenten der Rast, beginnen die wer-wie-was-wieso-weshalb-warum-(auch wer fragt, bleibt dumm//wer nicht fragt, ist stumm)-Fragestunde und verwandeln das Leben wieder in eine Formatvorlage. Iquique ist im Norden, verhältnismäßig nah an Peru und Bolivien, also muss man dort gewesen sein. Hier ein kleiner ermüdender Diskussionsbeitrag zum Thema:
Er: Have you been to Peru? Any advices?
Ich: I haven’t been to Peru.
Er: So, have you been to Bolivia?
Ich: No.
Er: Are you heading there?
Ich: No, I am heading south.
Er: But Bolivia and Peru are in the opposite direction.
Ich: I know, i can read a map.
Er: But you are a girl.
Ich: Yeah, but a clever one.
Und dann fällt einem auf, dass der Kloschüsselhersteller seine Produktreihe Corona nennt. Wir wissen alle, was das eigentlich ist, ich überlege kurz, ob es ein Hinweis sein soll, wo man im Übelkeitsfall die gleichnamige Biermarke entsorgen soll und irgendwie macht „dem scheint die Sonne aus dem A...“ auch plötzlich Sinn. Ehe ich weiter wirres Zeug denke, entscheide ich mich, zu gehen. 18h Busfahrt, 1600km, nächstes Ziel: La Serena. Bis dahin, adios amigos!
Blick ausm Hostel-Fenster

morgens

nachmittags

abends

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