Donnerstag, 6. Dezember 2007

28.11.-02.12.2007

Just another big city











Kaum hatten wir uns im Gewirr der Großstadt eingefunden, wurde das Wetter schlecht. Wolken, Regen, Herbsttemperaturen. Offensichtlich wollte Neuseeland zeigen, dass man sich dessen Natur und nicht die Städte ansehen soll. Recht hat es. Die Zivilisation erinnert einen auch daran, dass es noch eine Welt abseits mystischen Lichts, endloser Horizonte und Grüntöne gibt. Ich konnte der Stadt, in der fast anderthalb Millionen Menschen und damit ein Drittel von Neuseelands Einwohnern leben, nichts abgewinnen, stromerte planlos durch die Straßen, war aber dankbar für moderne Errungenschaften wie Internet und Filterkaffee bei McDonalds und lunschte mal wieder in der Art Gallery vorbei, was unvermittelt zwei Fragen aufwarf: Sind Museen verpflichtet, Picasso, Miro, Magritte auszustellen? Und haben diese Herren eventuell am Fließband produziert, um in wirklich j e d e m Museum dieser Welt, was ich bisher besuchte, vertreten zu sein? Ich war versucht, auf die Rückseite der Leinwände zu schauen, um nachzusehen, ob ich dort einen „Made in China“-Stempel finde. Meine rudimentäre Urteilsfähigkeit hört auf, wenn ich bei Deutungsversuchen, die in Minischrift mit Rechtschreibfehlern neben den Bildern hängen, Auskunft erhalte, die auch mit viel Phantasie nicht immer nachzuvollziehen ist. Man stelle sich doch bitte folgendes Bild vor: Ein Tisch. Darauf eine Zitrone und eine Glaskrug mit Wasser. Die Herren Kunstverständigen merken dazu an, dass es sich hierbei um Sinnbilder für Unschuld, Reinheit, Transparenz, Vergänglichkeit sowie den Ursprung des Lebens handelt (wir sprechen von dem Wasserkrug), im Gegensatz dazu werden Unannehmlichkeiten und Lasten des Lebens von der Zitrone symbolisiert. Aha. Weiterhin wird man mit wachsendem Erstaunen darin unterwiesen, dass das Gemälde im Sommer 1944 entstand und somit selbstredend jede Menge Stoff für wilde Anspielungen auf den Zweiten Weltkrieg birgt. Doppel-Aha. Bis dahin glaubte ich noch an die Darstellung von Sommerhitze und Erfrischungsgetränk und machte bei der Anstrengung, überhaupt zu erkennen, was da äußerst abstrakt dargestellt wurde, einen Blick, als hätte ich in die gelbe Zitrusfrucht gebissen. Hier aber nun mein persönliches Highlight der Auslegung: Das Bild wurde nämlich von Picasso gemalt. Oha, denkt man, das ändert natürlich alles. Die daraufhin zuteil gewordene meisterhafte Umschreibung jeglicher künstlerischen Freiheit lautet: Da Picasso selbst seinen Werken vielgestaltigste Deutungen zuschrieb, möchte das Museum der Interpretation derselben nicht vorgreifen, da es kein allgemeingültiges Verständnis geben kann. Tusch! Damit war es quasi amtlich und ich trollte mich in den nächsten Raum, wo mich der Anblick einiger großer, weißer Striche im Halbkreis erwartete. Jeder Sportplatz ein Gemälde! Daneben ein Werk, auf dem sich der Künstler mit dem beliebten F*** Wort in hundertfacher Ausführung den Frust von der Seele geschmiert hat. Jeder besoffene, brabbelnde, desillusionierte Kneipengänger eine Live-Performance! Ich wusste schon immer: Leben ist Kunst. Irgendwie sagten mir die kleinen Entdeckungen in den Straßen Aucklands viel mehr zu.

















Egal, ob einfach nur zur Unterhaltung oder mit einer Aussage verbunden. Denn alles ist:



Und sonst....





ja wie denn nun?



klare Ansage



Wer hätte das an einer Kreuzung erwartet?







wofür auch immer: bitte!

Nach fünf Tagen Großstadt traf ich wieder auf Carsten, denn er wollte ins Northland, ich wollte ins Northland und was liegt da näher, als weiter gemeinsam zu Reisen, schließlich wäre es Quatsch, wenn ich mit dem Bus fahre und er mich dabei mit dem Auto überholt. Also verließen wir die Stadt, die, wenn man es nicht besser wüsste, auch irgendwo in Asien sein könnte, denn egal ob Hostel, Internetcafe, Supermärkte, Touristeninfo etc. – der Anteil asiatischer Bevölkerungsgruppen ist riesig. Aber Asien selbst ist es ja auch.

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