Donnerstag, 15. November 2007

15.11.2007

Zehn Minuten - walk in silence

Gestern auf dem Weg zum Lichtspielhaus gesellte sich in der tief stehenden Sonne zu meinem Schatten schemenhaft eine zweite Gestalt. Aus dem Augenwinkel versuchte ich unauffällig den Verursacher zu erkennen und sah einen dunklen Schopf, der ungefähr in Höhe meiner Schulter aufhörte. Grüne Ballerinas mit weißen Punkten eilten neben mir übers Pflaster, argwöhnisch gemustert von ihrer Trägerin, die seit gefühlten Ewigkeiten neben mir Schritt hielt. Verwundert fragte ich mich, was die Kleine, die schätzungsweise erst seit kurzem eine zweistellige Zahl als Alter angeben konnte, bewogen haben mag, so unbeirrt an meiner Seite zu laufen. Schutz vorm Wind konnte ich ihr kaum bieten, der wehte auch mich fast davon. Ich knisterte nicht mit Bonbonpapier, trug keine pinke Glitzerkleidung, hatte keinen Welpen bei mir und auch keine Ähnlichkeit mit Harry Potter. Zweimal wechselten wir stumme Blicke - bis sie an einer Kreuzung, nach zehn Minuten gemeinsamen Weges, wortlos rechts abbog, in den Straßen verschwand und mich verdutzt zurück ließ.

Im Kino sah ich dann „Control“. Den Film über Ian Curtis, gedreht von Anton Corbijn. Ich wollte sehen, ob man lediglich einen „Nur die Besten sterben jung und werden zur Legende“- Film geboten bekommt und wie sich der Herr Corbijn als Filmemacher so anstellt. Dank der Aufnahmen, die vielmehr Fotografien glichen, der Musik von Joy Division, David Bowie, Iggy Pop und Konsorten wurde es aber neben der üblichen Geschichte „Rockstar XYZ scheitert auf der Suche nach sich Selbst, unter der Last besessenen Arbeitens, an exzessivem Frauen- und Drogenkonsum und beschließt auf dem Höhepunkt seiner Karriere, sich umzubringen“ eine sehr sehenswerte Aufarbeitung eines kurzen intensiven Lebens, basierend auf dem Buch von Curtis’ Ehefrau... wie tiefgründig der Blick in Ians Gedankenwelt auch wirklich sein mag ... Ich guck mir den Film sicher irgendwann noch mal an und besorge mir den Soundtrack.

Übrigens tritt auch Herbert Grönemeyer in einer kleinen Nebenrolle in Erscheinung und Alexandra Maria Lara spielt die verdammt gutaussehende Geliebte von Curtis.

Und so sah der Abend heute in Wellington aus. Es ist immer noch seltsam, dass in Deutschland gerade Überlegungen stattfinden, was zum Mittag gegessen wird, während wir längst das Abendbrot verdauen.







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